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Liebes Fragen : Liebeskummer

Ich war respektlos und nörglerisch, aber er kann doch unsere Beziehung nicht einfach wegwerfen!

Liane, 33

Liebe Beatrice,

mir gefaellt deine offene und unverbluemte Art zu antworten, deswegen schreibe ich auch mal. Eigentlich will ich vermutlich nur davon ueberzeugt werden, dass es keine Hoffnung mehr gibt ;-(.

Mein Freund hat sich nach fuenf Jahren von mir getrennt. Vor eineinhalb Jahren sind wir ins Ausland gezogen (und erstmals in eine gemeinsame Wohnung), und ich war bis vor kurzem der festen Ueberzeugung, dass wir eine relativ glueckliche Beziehung fuehren. Wir haben viel gemeinsam (ohne uns aehnlich zu sein), haben eine aehnliche Perspektive aufs Leben, konnten ueber vieles sprechen - dachte ich.

Vor einigen Wochen brach es erstmals aus ihm heraus - er wisse nicht, ob seine Gefuehle noch die alten seien.
Wir hatten in den letzten Monaten eine stressige Zeit, ich war manchmal eine ganz schoene Meckertante und respektlos; zudem war ich sehr unsicher und habe alle meine Zukunfstaengste auf ihn projiziert. Aber das sind keine neuen Seiten an mir, mit denen hat er auch schon vorher vier Jahre zusammengelebt, und ich bilde mir ein, dass es schlimmere Phasen gab. Er hat immer versucht, sich um mich zu "kuemmern", da ich oft diejenige war, die ueber ihre Probleme gesprochen hat. Er hat in den letzten Monaten keinmal gesagt, dass er ein Problem habe. Ich haette so gerne an uns gearbeitet! Zumal wir immer noch eine schoene Zeit hatten, viel unternommen haben etc. Ich waere auch gerne mehr fuer ihn da gewesen, seine Mutter ist schwerkrank, was ihn vermutlich auch mehr runtergezogen hat als er mir zeigen wollte. Ich habe auch oefter gefragt, ob alles in Ordnung ist, aber er hat sich daraufhin eher zurueckgezogen. In unserem letzten Gespraech meinte er, er habe gedacht, er schaffe das schon allein. Ist das nicht absurd? Ich war da, ich waere so gerne fuer ihn da gewesen. Seine Trennung kam dann fuer mich nach diesen vier Wochen "Bedenkzeit" immer noch relativ ploetzlich, und ich habe das Gefuehl, dass er etwas, dass sehr schoen war und auch noch entwicklungsfaehig, in einer Fluchtbewegung einfach hinwirft (und auch einer wahren Auseinandersetzung damit aus dem Weg geht). Ich war nicht mit ihm zusammen, weil immer alles harmonisch war, sondern weil ich dachte, dass waere der, mit dem ich an solchen Dingen arbeiten kann, auch an mir. Aber mit jemandem, der gar nichts von sich erzaehlt, ist das sehr schwierig. Ich dachte immer, er ruhe in sich selbst, und habe nun festgestellt, dass das Unsinn ist. Ich wollte doch auch fuer ihn da sein!

Ich schwanke nun zwischen Unglauben, verzweifeltem Akzeptieren und ja, Hoffnung. Er war sich bewusst, dass er etwas Schoenes zerstoert, aber er meinte, er koenne nicht anders, er sei ganz leer. Seine Entscheidung stand felsenfest. Im Moment kann ich nichts tun als ausziehen, ihn in Ruhe lassen und auf mich aufpassen, aber oft kann ich den Gedanken nicht unterdruecken, dass wir in ein paar Monaten noch einmal eine Chance haetten. O.k., ich weiss, Du bist nicht diejenige, die mit harten Worten spart, also kann ich die Frage auch andersrum stellen: Wie werde ich diese Hoffnung los und kann weiterleben, ohne taeglich daran zu verzweifeln, dass ich gerade mal eben das wichtigste in meinem Leben verloren habe?

Liane





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Liebe Liane,

Du schreibst
"Wir hatten in den letzten Monaten eine stressige Zeit, ich war manchmal eine ganz schoene Meckertante und respektlos; zudem war ich sehr unsicher und habe alle meine Zukunfstaengste auf ihn projiziert."
Oh je... das geht gar nicht, das weißt du ja jetzt selbst. Und ich denke, die Krankheit seiner Mutter brachte das Fass zum Überlaufen. Grade in so einer Phase braucht ein Mann nicht eine Partnerin, die an ihm herumzerrt und -meckert, sondern eine, die einfach da ist. Egal ob sie ihn nun unterstützt oder ob sie ihm einfach Kraft gibt, indem sie emotionell stabil ist und freundlich und guter Dinge. Überhaupt sollte eine Partnerin immer so sein, nicht nur wenn er seelischen Stress hat (es sei denn, er hat was wirklich Beziehungsstörendes ausgefressen - aber selbst da braucht eine Frau weder meckern noch respektlos sein, sondern sie kann es ihm auf ruhige respektvolle Art sagen).

Dass es nun zur Trennung kam, liegt auch nicht unbedingt daran, dass er dir seine Sorgen und Verärgerungen nicht richtig mitteilte. Eigentlich hättest du das selbst wissen müssen, wie man sich in einer guten Beziehung verhält. Respekt und freundlicher Umgang sind elementar. Und der Partner ist auch nicht dazu da, deinen Frust und deine Zukunftsängste auszubaden! Das musst du allein in den Griff kriegen.
Soviel zur Moralpredigt.

Dein Freund fühlt sich "leer" - das heißt, seine Gefühle sind nach und nach abgestorben. Er hat einen sog. "Beziehungs-Burnout", wie er in solchen Konstellationen wie bei euch öfter vorkommt.
Das wieder umzukehren, ist schwer. Es ist bisweilen machbar, aber schwer. Du musst sehr stark an dir arbeiten - am besten mit Hilfe einer Fachfrau (die sich z.B. anschaut, woher diese Muster des Meckerns und der Zukunftsängste kommen, und dir hilft, sie aufzulösen) - und deinem Ex zeigen, dass du dabei bist, dich nachhaltig so zu ändern, dass er bei einer Fortsetzung der Beziehung die alten Schemata nicht mehr befürchten müsste. Du denkst jetzt vermutlich, dass du jetzt gewillt bist dich zu ändern. Aber das reicht nicht! Weil innerhalb einer Liebesbeziehung die alten Schemata automatisch wieder durchbrechen. Wie gesagt: Lass dich von ner Fachfrau unterstützen. Das kann eine Paarberaterin oder Psychologin sein oder auch ich (aber nicht kostenlos, weil das mehr Arbeit erfordert).

Und seinen Entschluss musst du erst mal akzeptieren, klar, und ihm den Abstand geben, den er wünscht. Wenn du an dir arbeitest und er auch Gelegenenheit bekommt, dich zu vermissen, stehen die Chancen nicht so schlecht, dass in ein paar Monaten wieder was geht. Allerdings so eine nachhaltige Änderung, wie sie hier vonnöten ist, dauert locker 4-5 Monate.

Liebe Grüße
Beatrice

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