Ich trennte mich, obwohl er mein Traummann ist
Liebe Beatrice,
Problem war, dass ich vor 3 Monaten angefangen habe, an meiner Liebe fuer ihn zu zweifeln und die Zweifel sind leider nicht weggegangen. Wir haben viel darueber gesprochen und haben versucht einiges zu aendern. Unser einziges Problem war, dass wir kaum Sex hatten (von ihm aus!). Eine Erklaerung gab es nicht wirklich und wir haben oft darueber gesprochen. Er hat mich immer auf Haenden getragen, ich war soo gluecklich und trotzdem- meine Gefuehle haben nicht mitgespielt!
Ich liebe diese Beziehung so sehr und wuerde sie gerne wieder leben wie
damals, aber meine Gefuehle spielen nicht mit! Das kann doch nicht wahr
sein!
Ich habe Angst, den Mann meines Lebens losgelassen zu haben, aber ich kann
doch nicht nur wegen seiner liebevollen Art, der Sicherheit und
Geborgenheit bei ihm bleiben.
Wir waren wie fuereinander geschaffen..ich verstehe die Welt nicht mehr!
Hatte zuletzt sogar Panikattacken und bin aus Zerrissenheit nachts
aufgewacht und haette mich uebergeben koennen.. das Ende vom Lied war ein
Nervenzusammenbruch. Konnte diesen zwiespaeltigen Zustand nicht laenger
ertragen.. ich habe mich von einem Engel getrennt!
Koennen Gefuehle einfach so verschwinden, obwohl das Zwischenmenschliche ein Traum war? Habe Angst einen Fehler gemacht zu haben, fuehle mich
andererseits aber auch erleichtert, da die Gefuehlsqualen vorbei sind.
Vian
Hi Vian,
1) Woher kamen die Zerrissenheit und die Panikattacken?
2) Warst du denn mal wirklich mit ganzer Leidenschaft in ihn verliebt? Oder war´s immer eher nur "was Warmes"?
3) Wie oft hattet ihr zuletzt Sex? Und wie war der?
4) Warst du am Schluss noch zärtlich zu ihm? Viel? oder eher wenig?
5) Wie geht´s ihm jetzt? Kämpft er um dich?
6) Wie war die Ehe deiner Eltern?
Bitte antworte möglichst ausführlich.
Beatrice
Liebe Beatrice,
1. Die Zerissenheit kam daher, dass ich den Gedanken nicht ertragen konnte,
so einen lieben Menschen nicht zu lieben. Kein Mensch war jemals so
lieb und wundervoll zu mir!
Die Panikattacken kamen nachts..scheinbar hat dieser Gedankengang und die
Angst vor der Wahrheit nicht losgelassen. Ich wollte diesen tollen Menschen
und dieses Wunschleben nicht aufgeben!
2.Das ist eine gute Frage. Richtig verliebt war ich nicht in ihn.Wir sind uns
mit der Zeit immer näher gekommen und waren uns extrem ähnlich-bei ihm habe
ich mich sehr wohl gefühlt. Irgendwann habe ich ihn dann geliebt.
3.Zum Schluss hatten wir alle 2-3 Wochen Sex und der war nicht sehr
leidenschaftlich. Ich hatte zuletzt oft das Gefühl, er macht mir zuliebe Sex,
da wir oft über dieses Problem gesprochen haben.
4.Wir waren die ganze Beziehung hindurch immer extrem zärtlich und innig
zueinander. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, dass die
Zärtlichkeit von meiner Seite aus zum Schluss schon etwas nachgelassen hat.
5.Ihm, wie auch mir, geht es verhältnismässig gut. Man könnte sich fast ein
wenig wundern. Schlimm und tränenreich wird es nur, wenn wir uns sehen.
Nein, er kämpft nicht um mich. Er versucht nun das beste aus der Situation zu
machen.
6.Die Ehe meiner Eltern war ein Alptraum. Ich habe nie mitbekommen, dass sie
sich liebhaben. Meine Mutter war letzten Endes Alkoholikerin und
Tablettenabhängig, hat mehrere Selbstordversuche hinter sich. Mein Vater hat
sich uns Kindern gegenüber oft schlagender Argumente bedient. Meine Mutter
lebt nun in einer lesbischen Beziehung, mein Vater aus Überzeugung allein.
Ich hoffe, ich habe diese Themenwelten so gut wie möglich umrissen.
Ich danke Dir schon einmal im voraus! Eine Frage hätte ich aber noch: Ist
diese Beratung eigentlich kostenlos?
Liebe Grüsse, Vian
Liebe Vian,
Einer der wichtigsten Faktoren, warum du dich von ihm trennen "musstest", ist wahrscheinlich die Art deiner Eltern und die Beziehung, die sie führten. Dein bewusstes Ich sucht natürlich einen Partner, der ganz anders ist als sie - aber dein unbewusstes Ich hat eben seine eigenen "Liebes-Schlüsselreize"! Das klingt jetzt tragisch. Aber es ist nicht unüberwindbar. Nun gut, es erfordert eine intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung damit, vielleicht auch die Unterstützung durch eine/n Spezialistin/en.
Ob die Trennung ein Fehler war? Wahrscheinlich nicht, du musstest einfach so handeln, es gab ja genug Signale, dass das der Weg ist, den du einschlagen musst.
Das Getrenntsein von deinem Freund wird dir in nächster Zeit auch zeigen, wie viel dir tatsächlich an ihm liegt. Ein wenig Abstand tut immer gut, um seine Lage und seine wahren Bedürfnisse besser einschätzen zu können. Und: Nicht selten keimen die Gefühle doch wieder auf!
Alles Gute
Beatrice
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