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Nähe zulassen, wie schaffe ich das?

Lilly, 29

Liebe Beatrice,

Vielleicht kannst du mir einen Tip geben. Jörg, so heißt er, ist nicht der erste Mann in meinem Leben, der verheiratet ist, auch meine kurzen Affären davor waren es. Ich denke das ich aus meiner Erziehung heraus nicht gewöhnt bin Nähe zuzulassen, und gelernt habe das NÄhe was mit verletzten zu tun hat. Mein Vater konnte keine Liebe geben, und auch mein erster Freund war sehr unnahbar.
Sogesehen habe ich immer Männer die mir eigentlich nicht zu Nahe kommen können. Nur "dumm" das Jörg so vernarrt in mich war. Dann habe ich wohl so nen Helferinstinkt. Wie oft habe ich analysiert warum er sich trennen sollte, es war mir wichtig das er mich liebt, auf mich habe ich nicht wirklich geschaut.
Ich weiß nicht wie ich wieder zu mir und meinen Gefühlen finden kann, die ich bis jetzt ehlich nur hatte, als ich 17 war. Heftig, ich weiß, vor allem da ich demnächst 30 werde. Ich möchte keine Angst mehr vor Nähe haben, ich möchte fühlen können, ich möchte lieben können, und Sexualität nicht als Lockmittel für Männer , sondern als Austausch empfinden. Nur wie soll ich das anstellen???
Hast Du ne Idee????
Lilly




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Hi Lilly,

mir erging es fast jahrzehntelang so ähnlich wie dir: ich habe mich meist nur auf Männer eingelassen, mit denen echte Nähe und eine konventionelle Beziehung nicht möglich war oder nur begrenzt (weil auch ich in meiner Kindheit "gelernt" habe, dass beides sehr negativ besetzt ist und sehr oft, wie du sehr richtig sagst, was mit Verletzen zu tun hat). Erst Anfang 30 hab ich gemerkt, dass es nicht an den Männern, sondern an mir liegt, dass ich keine dauerhafte glückliche Beziehung zustande kriege, und fing an, mich intensiv damit auseinanderzusetzen: Bücher zu dem Thema und auch einige Gespräche mit einer Psychologin von einem Frauenzentrum, die mir sehr geholfen haben, Einblicke in meine seelischen Zusammenhänge zu kriegen.
Ich habe unter anderem gelernt, dass ich es ja auch mit meinem Partner absprechen kann, wieviel Nähe ich zulassen möchte und wie wir die Beziehung gestalten. Und dass "eine lange Beziehung führen" nicht bedeutet, dass sie automatisch so werden wird wie die meiner Eltern.
Ich denke, man muss halt schon für sich definieren, welche Art von Beziehung man aushalten könnte, und das dann relativ am Anfang einer neuen Liebe abklären, ob das mit den Vorstellungen des andern vereinbar ist. Ich zum Beispiel mache meinen Kerls ziemlich schnell klar, dass ich nicht die Frau zum Heiraten und Familie-Gründen bin und auch nicht die, mit der mann sich ein gemütliches nestchen bauen kann. Ich will mit meinem Partner was erleben, aktiv sein, reisen, Sport machen, was lernen. Seit ich das für mich klar definiert habe und auch vermittle, kann ich mit dem ganzen Beziehungskram unbefangener umgehen.
Und als dann mal einer kam, der mich wirklich wollte und sehr um mich warb, einer von den "Netten" und "Beziehungsbrauchbaren", da hab ich ihn nicht wie üblich weit von mir geschoben, sondern mich hineingewagt, und siehe da, wir waren drei glückliche Jahre zusammen, und wir wären es noch, wenn wir nicht so tierisch verschieden wären (auch in unserer Lebenseinstellung und -gestaltung). Bei aller Liebe war das nicht mehr unter einen Hut zu kriegen.

Ich kann dir nur raten: Trenn dich von dem Verheirateten und mach mit dir selber einen Neuanfang - am besten auch mit Hilfe einer Fachfrau.
Viel Glück
Beatrice

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