Schämt er sich, weil er derzeit nur zu einer sexuellen Liebschaft in der Lage ist?
Liebe Beatrice,
Tja, es kam, was kommen mußte: ich habe mich richtig toll in diesen Mann "verguckt".
Mittlerweile haben wir wechselweise häufiger beieinander übernachtet, sehen uns ca. 3x wöchentlich + telefonieren eigentlich jeden Tag. Unsere Kinder wissen so natürlich auch von unserer Freundschaft.
Ziemlich früh habe ich erfahren, daß mein Freund extrem viel Streß mit seiner heranwachsenden Tochter hat. Außerdem arbeitet er relativ viel.
Ich bin zurzeit arbeitslos + habe dadurch natürlich viel mehr Zeit als er. Auch mit meine Kindern kriselt es häufiger - aber letztlich habe ich mehr Kapazitäten, um den Streß aufzufangen.
Vor ca. 4 Wochen hat sich die familiäre Situation meines Freundes noch zugespitzt. Ich habe oft das Gefühl daneben zu stehen, würde beiden gerne helfen - aber mir sind (als "Neuer" + letztlich Außenstehender) die Hände gebunden. Das Verhältnis zu meinem Freund erlebe ich als sehr schön, wenn wir auch wenig Gemeinsamkeiten (Interessen / Sozialisation) haben. Ich schätze die besonnene Art meines Freundes + er ist ein wirklich wunderbarer + zärtlicher Liebhaber. Ich kann nicht viel über die Gefühle sagen, die mein Freund mir gegenüber bisher empfunden hat (wir reden mehr über "sächliche" Dinge miteinander), aber ich weiß, daß er meine Zärtlichkeiten über alle Maßen genießt, da er das oft äußert.
Nun teilte mein Freund mir vor 2 Wochen mit, daß es ihm psychisch sehr schlecht ginge und er unsere Freundschaft lösen möchte, da er sich im Augenblick gar nicht mehr beziehungsfähig fühle... sprich: seit einigen Woche könne er emotional einfach gar nichts mehr für mich empfinden + er verstünde das alles auch überhaupt nicht.
Und er habe keinesfalls nur eine Affaire angestrebt, ebenso wie er unsere Freundschaft so nicht weiterführen könne, denn er wisse um meine Gefühle + würde sich schlecht damit fühlen, diese nicht beantworten zu können.
Ich bin daraufhin einfach aus allen Wolken gefallen, weil ich so überhaupt nicht damit gerechnet hatte + auch überhaupt nichts davon wußte, wie es schlecht es tatsächlich um seine gefühlswelt derzeit bestellt ist.
Ich möchte ihn auf keinen Fall aufgeben aber ich möchte es ihm auch nicht noch schwerer machen.
Ich habe ihm vorgeschlagen, wir könnten uns einfach bis auf weiteres nur zum schmusen + zusammen schlafen treffen (weil wir es beide sehr genießen + vermissen würden). Dann müßten wir beide sehen, ob wir damit leben können...
So ist es dann gekommen: er war bei mir, wir waren zärtlich, er ist wieder gegangen.
Ich glaube, daß er sich geschämt hat, dies Angebot von mir anzunehmen. Ich war ein bißchen traurig, als er gegangen ist (und nicht bei mir übernachtet hat wie sonst auch).
Außerdem habe ich Angst, daß er mich wieder anrufen könnte, um mir zu sagen, daß dies Arrangement für ihn auch nicht lebbar ist, weil er das Gefühl hat mich auszunutzen.
Ich bin so schrecklich im Zwiespalt, denn ich habe ihn lieb + ich weiß, daß es ihm schlecht geht + daß er Verantwortung für seine Tochter trägt + daß ich ihn ziehen lassen sollte (das habe ich ihm auch noch mal gesagt: wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht).
Aber es tut mir so weh!
Er ist ein wunderbarer Mann + Liebhaber für mich und ich habe Angst davor, daß er konsequent mit uns "bricht", weil er im Augenblick kein Land mehr sieht.
1 Woche später:
Inzwischen haben wir uns noch zwei mal getroffen + irgendwie hat sich auch unsere sexuelle Begegnung grundlegend verändert.
Mein Freund ist weniger zärtlich + mehr "mechanisch" als vorher + er küßt ganz "anders". Beim letzten mal habe ich ihn in seiner Wohnung besucht + er ist sofort aufgesprungen, nachdem wir miteinander geschlafen hatten + hat sich angekleidet (früher haben wir immer noch lange danach beisammen gelegen).
Am schlimmsten ist: ich habe das Gefühl, daß er sich danach ekelt oder sehr schämt
(aber: wem gegenüber muß er sich schämen? Seiner Tochter, sich selbst, mir oder gar einer anderen Frau gegenüber?)
- Ich bin todtraurig + denke, daß jetzt einfach ALLES aus ist.
Was soll ich bloß tun?
Isa
Liebe Isa,
"Ich habe ihm vorgeschlagen, wir könnten uns einfach bis auf weiteres nur zum schmusen + zusammen schlafen treffen (weil wir es beide sehr genießen + vermissen würden). Dann müßten wir beide sehen, ob wir damit leben können..."
Das war genau das Richtige. Nur so geht es derzeit.
"Ich glaube, daß er sich geschämt hat, dies Angebot von mir anzunehmen."
Ja, das denk ich auch. Und er hat ein schlechtes Gewissen, weil er ja spürt, wieviele Gefühle du hast.
"Mein Freund ist weniger zärtlich + mehr "mechanisch" als vorher + er küßt ganz "anders". Beim letzten mal habe ich ihn in seiner Wohnung besucht + er ist sofort aufgesprungen, nachdem wir miteinander geschlafen hatten + hat sich angekleidet (früher haben wir immer noch lange danach beisammen gelegen)."
Ich denke, er hat Angst, dass seine eigenen Gefühle bei innigem Sex wieder zu stark werden (aber dem fühlt er sich halt nicht gewachsen) und er dann innerlich noch mehr in Stress gerät, also in Konflikt mit sich selbst und mit den ganzen Problemen, die er sonst noch hat.
"Am schlimmsten ist: ich habe das Gefühl, daß er sich danach ekelt oder sehr schämt (aber: wem gegenüber muß er sich schämen? Seiner Tochter, sich selbst, mir oder gar einer anderen Frau gegenüber?)"
Ich bin mir sehr sicher, dass es auf keinen Fall Ekel vor dir ist, sondern wenn überhaupt, dann Ekel sich selbst gegenüber - dass er dich quasi "benutzt". Ja, vermutlich schämt er sich - auch dafür, dass er seine Probleme nicht in den Griff kriegt. Er ist von der ganzen Situation überfordert, auch von der Erziehung seiner Tochter, und wahrscheinlich sind da noch andere Schattenseiten, die er dir noch nicht zumuten will. Vielleicht gehört er zu den vielen Männern, die verinnerlicht haben, dass ein Mann nach außen immer gut drauf und stark sein muss und alles im Griff haben muss, sonst denkt jeder, er sei ein Versager oder ein Gestörter.
"Außerdem habe ich Angst, daß er mich wieder anrufen könnte, um mir zu sagen, daß dies Arrangement für ihn auch nicht lebbar ist, weil er das Gefühl hat mich auszunutzen."
Hierzu habe ich zwei sehr ernst gemeinte Ratschläge für dich:
1) Du darfst dich um Gottes Willen nicht so sehr fixieren auf diesen Mann! und dein Seelenheil von ihm abhängig machen! Fahr deine Gefühle zurück und beruhige dich, statt dich hier in was reinzusteigern! Immerhin passt er in vieler Hinsicht nicht! Vielleicht schwingt da bei dir noch Angst vor Einsamkeit mit? Du musst dafür sorgen, dass es dir gut geht, auch unabhängig von ihm.
2) Sieh es als das, was es derzeit ist: Eine nette, lustvolle Liaison. Kannst du dich damit abfinden und anfreunden? Wenn nein, dann trenn dich. Wenn du aber ein ganz klares Ja dazu sagst, dann sag ihm das auch - und dass es völlig ok ist, wenn ihr keine richtige Beziehung habt. Du darfst keine Erwartungen dranknüpfen und er auch nicht. Ihr müsst ganz klare Absprachen treffen, auch in Punkto Häufigkeit der Treffen und Gestaltung.
Ferner darfst du dich nie in seine Probleme einmischen. Deine Hilfe kannst du anbieten, aber mehr nicht.
Liebe Grüße
Beatrice
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