Ich kann meinem Partner nicht vertrauen
Ich vertraue Männern nicht. In meiner jetzigen Beziehung habe ich deswegen ständig Stress: Mein Freund ist viel unterwegs. Ich habe immer ein ungutes Gefühl. Was, wenn er etwas mit einer anderen anfängt? Er hat mir schon unzählige Male geschworen, dass er treu ist. Aber er blockt mich auch ab, wenn ich immer mit dem selben Thema komme, und schaltet auf stur. Wie kann ich ihm vertrauen ohne Angst zu haben?
Immer quält mich der Gedanke: das könnte es jetzt gewesen sein. Ich käme mir so unendlich dumm vor, wenn ich ihm Vertrauen schenken würde - und er dann doch fremdgeht. Deshalb bleibe ich lieber misstraurisch; aber ich fühle mich wie ausgelaugt dabei.
Ich schätze, dein Vertrauen ist irgendwann einmal in der Vergangenheit von einem Menschen, den du sehr geliebt hast, schwer enttäuscht worden, und die Angst, dass das wieder passiert, ist immer noch sehr wirksam. Das Fatale ist, dass sich Leute in deiner Lage oft Partner suchen, die diese Gefühle wieder aufleben lassen. Oder sie bringen ihre Partner dazu, so zu agieren, dass die Angst wieder wach wird. Warum tut man so etwas? Ich denke, um das Problem irgendwie zu be- und verarbeiten.
Dass dein Freund abblockt, klingt nicht grade, als ob er besonders liebevoll ist. Aber vielleicht ist ja genau dieser Punkt - dein Misstrauen - der ewige Zankapfel zwischen euch beiden und er ist schon total genervt.
Die Crux ist: Je mehr du erwartest, dass er dich betrügt oder Schluss macht, desto eher tritt es ein. Wenn du irgend kannst, dann schalte dein Misstrauen ab! Du schreibst: "Ich käme mir so unendlich dumm vor, wenn ich ihm Vertrauen schenken würde - und er dann doch fremdgeht." Ich bin überzeugt, letztendlich fährt man besser mit dem Gedanken, vielleicht ein wenig naiv zu sein, als den Partner mit seinem Misstrauen und seiner negativen Haltung wegzutreiben. Verstehst du, was ich sagen will? Mit Vertrauen und einer positiven Einstellung ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bei dir bleibt, viel höher, und du gewinnst mehr Lebensfreude.
Gut: Deine Angst, wieder enttäuscht zu werden und dann daran zu zerbrechen, ist offenbar größer. Und damit bist du so beschäftigt, dass du vielleicht gar nicht mehr darüber nachdenkst, ob es wirklich nötig ist, so um diese Beziehung zu bangen. Macht dieser Mann dich überhaupt glücklich? Wirklich glücklich, im Sinne von: Bereichert er dein Leben? Unterstützt er dich? Ist er für dich da, wenn es dir nicht gut geht? Vielleicht sagt dir die ehrliche Analyse ja, dass es gar nicht so viel Grund gibt, seinen Verlust so sehr zu fürchten. Sondern dass der Hauptgrund für deine Verlustangst die frühere Verletzung ist. Ich denke, es wäre keine schlechte Idee, das mit einer Therapeutin zusammen herauszufinden.
Was du auch mal versuchen kannst, ist das "Als-ob-Spiel": Du tust zwei Tage lang, als ob alles in Ordnung wäre und es absolut keinen Grund zum Misstrauen gibt. Wichtig ist, dass man sich fest vornimmt: heute muss ich Vertrauen haben und positiv sein - negative Gedanken werden strikt auf morgen bzw. übermorgen verschoben. Die Regel ist: es darf keine Abweichung geben. Zwei Tage sind überschaubar, das ist gut durchzuhalten. Zwei Tage lang kann man seine üblichen Schutzmechanismen über Bord werfen. Und wenn du danach feststellst, dass dir das Als-ob-Spiel gutgetan hat, verlängerst du es einfach um einen oder mehrere Tage. Und so weiter.
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