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Antwort auf "Habe ich ein Recht, wütend auf meine Ex zu sein?"

Milena, 28

Hallo Beatrice,

ich möchte Bezug auf den Brief von Clara nehmen ("Habe ich ein Recht, wütend auf sie zu sein?"). In ihrem Schreiben bezog sie sich auf meine Person.

Mittlerweile ist nun ein 1/2 Jahr verstrichen.
Durch einen Zufall standen wir uns vor 2 Wochen wieder gegenüber. Ich konnte den Versuch nicht unterlassen sie erneut anzusprechen. Dies war natürlich der Auslöser für eine heftige Diskussion. Doch es wurden in dieser viele Punkte angesprochen, die auch zur Klärung einiger Unklarheiten verhalfen. Wir verabschiedeten uns und sie ging - in neuer Begleitung.
Der Nächste Tag war grausam. Ich hatte das Gefühl nicht mehr atmen zu können! Mir wurde klar, dass ich ihr noch unzählige Antworten schuldete. Ich wollte sie aufklären, endlich die Courage besitzen und ihr die Dinge mitteilen, wozu ich damals nicht im Stande war. Obwohl es mir sehr schwer fiel, vermochte ich es, ihr einen Brief zu schreiben.

Ehe ich nun fortfahre, möchte auch ich meinen Eindruck unserer Beziehung hinterlassen:
Vor nun genau zwei Jahren lernten wir uns kennen. Ich war relativ schnell "Feuer und Flamme". Sie befand sich damals in einer Phase, in der sie sich nicht binden wollte und ließ mich dies auch wissen. Sie war oft hart und ungerecht - aber eben auch nicht immer! Sie war mindestens genauso oft sehr zart, weich und sensibel! Ich kämpfte um sie, denn ich wollte mit ihr zusammen sein. Ich habe in dieser Zeit unzählige Rückschläge erlitten und dennoch nicht aufgeben - sie war einfach etwas Besonderes. Für mich war dies nie eine Frage des Stolzes.
Trotz unserer Unterschiede fanden wir uns.

Dann ging sie für 2 Monate nach New York. Kurzentschlossen und allen Hindernissen zum Trotz folgte ich ihr und besuchte sie dort. Die bis jezt beste Entscheidung meines Lebens - Ich war einfach glücklich!
Wie schon zuvor, kam es auch dort zu Streiterein. Oft wurden diese durch meinen unberechnbaren Jähzorn hervorgerufen. Schon damals hätte ich spätestens beginnen müssen mir Hilfe zu suchen. Noch war ich aber nicht in der Lage dies zu erkennen.

Nach ihrer Rückkehr benötigten wir etwas Zeit um uns wieder an uns zu gewönnen. Wir rauften uns zusammen. Einige Male bemerkte ich trotzdem ihre wachsenden Zweifel. Ich war nicht in der Lage über gewisse Dinge zu sprechen und konnte auch sonst viele Erwartungen von ihr erfüllen (diese waren aber absolut berechtigt).
Doch es stand bereits die nächste Trennung vor der Tür. Ich mußte in den Kosovo - ich wollte nicht gehen, der Abschied war furchtbar schwer. Wir telefonierten täglich - wir schrieben uns viel.
Jede von uns ersehnte sich die 14 Tage des Urlaubs herbei (Das ist nun auf den Tag genau ein Jahr her). Wir setzten so große Erwartungen, dass wir nur daran scheitern konnten.
In diesen 2 Wochen passierte zu viel! Denn an einem Abend davon, übschritt Clara eine Grenze, an der ich fast zerbrach - die Folgen waren schwerwiegend. Wie immer konnte und wollte ich nicht darüber reden - Doch ich hätte es tun, mich zwingen müssen! Seit diesem Moment war alles anders.

Nach meiner Rückkehr verbrachte ich viele Nächte schlaflos. Ich konnte nicht mehr allein sein - ich bekam Ängste und Panik. Clara war da. Sie schlug vor, dass ich mich in Behandlung begebe - mein Arbeitgeber und auch ich selbst hinderten mich daran! Hinzu kam, dass ich den Ernst der Lage nicht regestrierte. Ebenso warfen die Erlebnisse des Urlaubs nochimmer ihre Schatten...es summierte sich alles. Ich litt und verfiel in Depressionen. Ich hatte mich verändert, wurde von allem eingeholt. Clara reagierte in diesen Momenten mit Forderungen, die mich zusätzlich belasteten. Sie wollte mir helfen, mich unterstützen und ich zog sie dadurch in den Strudel meiner Probleme. Obwohl ich sie liebte, wurde sie plötzlich ein Teil davon. Ich reagierte mit Ablehnung, Unverständnis und Lieblosigkeit. Obwohl ich nie wirklich Zweifel an meinen Gefühlen hatte, teilte ich ihr diese mit. Sie glaubte mir. Nach vielen Versuchen trennten wir uns.
Ich begab mich in Therapie.

Kurze Zeit später, wollte ich einen Neuanfang wagen. Ich wollte nicht ohne sie sein. Ich überzeugte sie - sie lies es zu. Natürlich war ich noch kein Schritt weiter. Ich sah, wie sie erneut durch mich litt und konnte es nicht mehr ertragen! Ich liebte sie und wollte mich dennoch von ihr trennen. Sie kam mir zuvor.
Immer wieder sah ich sie und versuchte mit ihr zu reden. Ich stieß natürlich auf Ablehnung. Ich suchte mir eine andere Frau um nicht allein sein zu müssen. Mein Herz schlug immernoch für Clara.

In dem vergangenemen halben Jahr gab es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht an sie dachte. Ich wollte alles bewältigen - auch für sie zu einem überarbeiteten Menschen werden. Nie wieder den alten Zwängen unterliegen. Ich weiß, dass ich es besser mache könnte. Mir war bewußt, dass dies eine lange Zeit in Anspruch nehmen wird - doch irgendwie hoffte ich, dass sie auf mich warten würde.

Nach meinem o.g. Brief folgte ein sehr langes Telefonat. Wir trafen uns, sehr zum Ärger ihrer neuen Freundin. Endlich konnten wir reden und ich mich ihr mitteilen. Auch sie fühlte sich wieder wohl mit mir. Sie ist einfach ein wunderschöner Mensch! Glaube mir Beatrice, würdest du sie kennen, du würdest es ähnlich empfinden. Mit ihr ist es- und fühle ich mich so leicht.

Dennoch stehe ich erst am Anfang eines so langen Weges. Der Verlust schmerzt zu tiefst. Ich bin noch nicht über dem Berg, auch wenn es schon kleine Veränderungen gibt. Durch sie bin ich heut an diesem Punkt. Ich verdanke ihr so viel. Ich möchte mir irgendwann eine Zukunft mit ihr verstellen! Ich weiß genau, es ist noch nicht die richtige Zeit und der richtige Ort. Ich muss jetzt erstmal versuchen mich von ihr zu "trennen", um irgendwann die Möglichkeit besitzen zu können, mich erneut in sie zu verlieben. Auch sie schließt es nicht aus. Es fällt mir so schwer loszulassen - ich möchte aber, dass sie glücklich ist.

Beatrice, habe ich überhaupt noch ein Anrecht auf diese Vorstellung?
Kannst du mir sagen, wie ich im Augenblick am Besten verfahren soll?

Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar!
Milena





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Liebe Milena,

danke für deinen Brief. Das war für mich sehr interessant, die andere Seite zu hören. Erstaunlicherweise decken sich deine Beschreibungen ja sehr mit denen von Clara.

Du fragst mich:
"Habe ich überhaupt noch ein Anrecht auf diese Vorstellung?"
Ich mag diese Frage ungern beantworten, denn sie beinhaltet ja so etwas wie: "Darf ich hoffen, obwohl ich schuld war?" Aber man kann in diesem Zusammenhang nicht von Schuld oder so etwas reden, denn sicherlich konntest du aufgrund deiner seelischen Schieflage einfach nicht anders handeln als du es tatest. Allerdings habe ich Clara ja geraten, den Kontakt zu dir komplett abzubrechen, einfach weil eure Konstellation eine sehr unglückliche war und ihr gar nicht gut tat. Ich vermute auch, dass das nicht so schnell zu ändern ist. Ich sehe zwar, dass du auf einem guten Weg bist, aber sicherlich wird es noch ein paar Jahre der Therapie brauchen, bis du diese unguten Muster "verlernt" hast, die zum Scheitern eurer Beziehung beitrugen.
Wahrscheinlich trug dazu auch bei, dass Clara genau der Mensch ist, der in dir die stärksten Emotionen und leider auch alte Ängste hervorruft, und diese Ängste führen wiederum zu unguten Reaktionen. Vermutlich hat sie gewisse Ähnlichkeiten zu deiner wichtigsten Kindheits-Bezugsperson (bestimmte Eigenschaften oder Handlungsweisen). Und dein Versuch, sie dazu zu bringen, dich allumfassend, erwartungslos und "trotz allem" zu lieben wie eine Mutter oder ein Vater, ist der Versuch, alte Verletzungen zu heilen (vermute ich mal). Aber meist funktioniert das nicht. Erwachsene Liebe ist nicht selbstlos, sondern ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen, von Aufeinander-Eingehen, von Verlässlichkeit: beide wollen sich jederzeit darauf verlassen können, dass der andere ihn liebt und für ihn da ist.

Bist du denn in einer guten Therapie? Wenn nein, rate ich dir dazu.

Erst wenn du diese seelische Schieflage und diese beziehungszerstörenden Ängste überwunden hast, bestünde überhaupt wieder eine reelle Chance für euch. Aber es ist auch möglich, dass Clara dann gar nicht mehr diese magische Anziehung auf dich hat - weil du sie dann nicht mehr brauchst. Oder dass ihr euch auf einer ganz anderen Ebene wiederfindet. Zum Beispiel in der Richtung, die du hiermit andeutest:
"Ich weiß genau, es ist noch nicht die richtige Zeit und der richtige Ort. Ich muss jetzt erstmal versuchen mich von ihr zu "trennen", um irgendwann die Möglichkeit besitzen zu können, mich erneut in sie zu verlieben."
Ich denke, das ist ein sehr guter Ansatz.
Du wirst es vielleicht ungern hören, aber ich rate auch dir zu einem rigorosen Vermeiden des Kontakts. Nur der Abstand erlaubt es, dass du wirklich wirst loslassen können.

Alles Gute
Beatrice

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