Sie meckert dauernd an mir herum (Teil 1)

Hallo Beatrice!
Ich bin jetzt seit 10 Monaten mit meiner Freundin (20) zusammen und ich muss sagen, es waren erstmal wunderschöne 8 Monate. Aber in letzter Zeit geht alles schief. Wir wohnen jetzt seit 2 Monaten zusammen und damit fing eigentlich alles an. Jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, geht das Gemecker los. Aber es sind Dinge, über die lohnt es sich nicht (zumindesten aus meiner Sicht) zu streiten. Es geht meistens darum, dass ich mal 2 Minuten später wiederkomme als angekündigt oder dass ich zu wenig im Haushalt gemacht habe. Meistens diskutieren wir dann darüber und so fängt der Streit erst richtig an. Es ist zwar so, dass ich sehr viel zu tun habe und wir wirklich nicht immer die meiste Zeit für uns haben, aber das liegt zum Teil auch daran, dass sie in 3 Schichten arbeitet. Im Haushalt ist es eigentlich so, dass ich da schon einiges mache und die Wohnung ist auch sauber und ordentlich, aber sie findet trotzdem immer einen Punkt.
Nach 2 Wochen Dauerstreit haben wir uns wieder ein wenig zusammen gerauft und dann kam das nächste Problem. Sie meint, dass ich sie nicht mehr lieben würde. Ich habe keine Ahnung, warum und wieso sie das Gefühl haben könnte. Ich mache so viel für sie, auch wenn es zum Teil nur Kleinigkeiten sind, aber das beeindruckt sie nicht mehr. Auch wenn ich ihr sage, dass ich sie liebe, fragt sie x-mal nach, ob ich das ernst meine.
Ich habe in der Zeit mehrmals versucht, zärtliche Stunden mit ihr zu verbringen, aber sie hat jedes Mal abgeblockt. Auch kleine Geschenke wie mal eine Rose haben nichts gebracht. Sie glaubt mir nicht, dass ich das ernst meine. Wir lagen fast jeden Abend weinend im Bett und sind auch morgens so aufgewacht, aber wir haben dennoch nicht zueinander gefunden. Bis ich sie dann mal nach der Arbeit überrascht habe. Ich habe in der ganzen Wohnung Kerzen aufgestellt und habe schon mal Badewasser gemacht und so. Das war ein wunderschöner Abend und wir hatten seit langem auch mal wieder Sex. Aber ich habe Angst, dass es nächste Woche schon wieder vorbei ist mit unserer schönen Beziehung.
Ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll oder woran das liegt.
Gruß, Ben (22)


 
Hi Ben,
„Kleinigkeiten“, die du machst, rote Rosen und Geschenkchen helfen deshalb nicht, weil sie nicht das sind, was deine Freundin will. Sie will, dass du im Haushalt genauso viel machst wie sie, sie will, dass du zum angekündigten Zeitpunkt nach Hause kommst und sie will, dass du mehr Zeit mit ihr verbringst. Wenn du später kommst als erwartet, hat sie das Gefühl, dir liegt nicht so viel dran, Zeit mit ihr zu verbringen – da ihr beide ohnehin nicht so viel Zeit füreinander habt. Und wenn du nicht deinen ebenbürtigen Teil zum Haushalt beiträgst, hat sie das Gefühl, du betrachtest ihre Arbeit als selbstverständlich und weißt sie nicht zu schätzen.
Wenn ihr euch da nicht einigen könnt, solltet ihr wieder in getrennte Wohnungen ziehen. 

Du sagst, deine Freundin meckert wegen zwei Minuten. Das glaub ich dir nicht. Keine Frau meckert wegen zwei Minuten. Wir meckern zum Beispiel über eine Dreiviertelstunde und mehr, oder auch mal über eine halbe, falls unser Essen verbrutzelt.
Wenn dir dein Anteil der Hausarbeit zu viel ist, bestünde eine Lösung eventuell darin, dass du eine Putzfrau organisierst und bezahlst. Das wäre schon mal ein Anfang.
Worüber meckern wir Frauen noch? Zum Beispiel über herumliegende Socken, hochgeklappte Klobrillen und offene Tuben. Es geht dabei eigentlich nicht um die Socken, die Klobrillen und die Tuben. Es geht darum, dass der Partner nicht (mehr) respektiert, dass uns bestimmte Dinge wichtig sind. Mit diesen kleinen Gesten (oder Nachlässigkeiten) demonstriert er uns eine gewisse Nicht-Achtung: Ist mir doch egal, dass dich rumliegende Socken stören!
Auch aus so einer Sache interpretieren wir, dass er uns nicht mehr liebt.
Ein zweiter Lösungsansatz bestünde also darin, auf die kleinen Dinge zu achten, die ihr wichtig sind.

Und den dritten Punkt habe ich ja schon oben erwähnt: Pünktlichkeit. Deiner Freundin ist dieser Punkt sehr wichtig, dir vielleicht nicht so. Versuch trotzdem, pünktlich zu sein, und wenn du es nicht schaffst, dann ruf sie an und sag Bescheid, dass du dich verspätest. Gib ihr auch eine Begründung. Für manche Männer klingt das nach Pantoffelheld. Aber dem ist nicht so. Ihre Zeit ist genauso wertvoll wie deine, und Warten ist oft tote Zeit, und sie fühlt sich auch noch quälend an, weil man sich eben fragt, ob es dem Partner nicht wichtig ist, einen zu sehen.

Möglicherweise will sie noch etwas anderes, was in deinem Brief nicht ersichtlich wurde (z.B. Aufmerksamkeit? Unterstützung? Anerkennung?). Versuche, hinter ihrem Gemecker und den Klagen herauszuhören, worum es ihr wirklich geht. Und dann gib es ihr.

Ich weiß, dass ich jetzt ziemlich provokativ geantwortet habe – aber hab ich vielleicht Recht? Freue mich, wenn du noch etwas dazu sagst.
( Bitte lies auch Teil 2 dieser Anfrage! )
Herzlichst, Beatrice Poschenrieder