Meinem Freund ist es egal, dass er mich wegen eines Jobs 3 Monate nicht sieht

Hey Beatrice!
Du wirst mein Problem vielleicht lächerlich finden, doch es belastet mich wirklich sehr. Ich bin eigentlich sehr glücklich mit meinem Freund (21), wir sind jetzt knappe 2 Jahre zusammen. Der Sommer kommt und das ist die Zeit, vor der ich mich am meisten fürchte, weil er von Juni bis Anfang September auf dem Golfplatz seines Onkels arbeiten wird. Es ist ein wirklich enorm riesiges Areal und die Arbeit dort sehr hart. Er fängt jeden Morgen um halb 7 an und kommt meistens erst um 22 oder 23 Uhr abends nachhause. Mein Problem an der Sache ist, wir können weder in Urlaub gehen, noch abends weggehen, da er auch jedes Wochenende komplett von frühmorgens bis spätabends durcharbeiten muss und da wir 30 km auseinanderwohnen, sehen wir uns auch unter der Woche so gut wie gar nicht und ich habe totale Angst vor dieser Zeit, da ich weiß, wie sehr er mir fehlen wird und wir auch häufig Streit haben deswegen, zumindest war es letztes Jahr so, als er auch dort gearbeitet hat.

Ich finde es auch nicht toll, dass es ihm offenbar null auszumachen scheint, dass wir so gut wie gar keine Zeit füreinander haben in diesen 3 Monaten. Wenigstens am Wochenende würde ich ihn gerne sehen, doch nicht mal das ist möglich. Meine Frage an dich ist, wie soll ich mich verhalten? Ich habe einfach eine totale Wut im Bauch. Auch ich habe einen Nebenjob, doch habe es bisher immer geschafft, ihn mit meinem Freund unter einen Hut zu bringen, indem ich an den Wochenenden frei habe. Wenn ich ihn auf meine Wut über das Ganze anspreche, reagiert er nur genervt oder sagt “Immer noch besser, als wenn ich gar keine Arbeit hätte, da nehm ich es in Kauf, dass ich kein Wochenende und auch sonst keinen freien Tag habe!”
Aber es gibt doch wahrlich noch andere Dinge außer arbeiten und Geld!
Liebe Grüsse, Vanessa (21)

Ich bin so wütend, dass er keine Zeit für mich hergibt!

Ich bin so wütend, dass er sich keine Zeit für mich nimmt!

Liebe Vanessa,
einerseits könnte man sagen: Er braucht den Sommerjob wahrscheinlich, und sicher bringt der Job ihm so viel ein, dass er dann für den Rest des Jahres einigermaßen über die Runden kommt (Student, oder?); drum nimmt er es in Kauf, für diese 3 Monate mal richtig ranzuklotzen.
Andererseits kann ich dich gut verstehen, wenn du es komisch findest, dass es ihm nichts auszumachen scheint, dich in dieser Zeit praktisch gar nicht zu sehen. Du bist wütend und hast Angst, dass er dich eigentlich gar nicht liebt. Ich hätte da auch so meine Zweifel… aber vielleicht ist er eben der Typ “Augen zu und durch”. Nun kommt es stark drauf an, wie er den Rest des Jahres zu dir ist. Liegt ihm daran, dich zu sehen? Verbringt ihr viel Zeit miteinander, und genießt du diese Zeit wirklich? Bemüht er sich um dich, ist es ihm wichtig, dass du glücklich bist? Oder ist er auch sonst ein wenig gleichgültig, und DU bist eher diejenige, die eure Beziehung am Laufen hält?
Wenn das Pendel sehr stark in die letztgenannte Richtung ausschlägt, solltest du dir ernsthaft überlegen, warum du an ihm festhältst. Falls es jedoch eher in die positive Richtung geht, hast du diverse Möglichkeiten:
1) Auch du machst “Augen zu und durch” und suchst dir für diese drei Monate eine ebenso anstrengende aber lukrative Tätigkeit, damit du den Rest des Jahres mehr Zeit für ihn hast. Oder du machst 3 Monate ein Parktikum oder gehst ins Ausland.
2) Du hörst sofort auf, über die bevorstehende Zeit zu klagen, sondern nimmst dir vor, sie intensiv zu nutzen, um andere Leute kennen zu lernen, viel mit Freundinnen auszugehen, es mal richtig krachen zu lassen. Dein Freund wird sich so wundern, dass du nicht mehr auf ihn fixiert bist, sondern dich auch ohne ihn amüsierst, dass er ganz fuchsig werden wird und hier und da doch noch ein bisschen Zeit für dich rausschindet.
3) Du bittest ihn mit einfachen, deutlichen Worten, mit seinem Onkel zu sprechen, ob er ihm nicht ab und zu einen halben Tag frei geben kann – oder ob er sogar für dich auch einen kleinen Job auf dem Golfplatz hat. So könntest du deinen Schatz öfter sehen.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder