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Liebes Fragen : Beziehungsprobleme

Wie rette ich unsere Beziehung?

Margit, 32


Hallo liebe Beatrice,

ich habe einige deiner Briefe gelesen und ich finde, du gibst gute und überlegte Ratschläge, heute wende ich mich mit folgender Frage an dich: Wie rette ich meine Ehe?
Mit meinem Mann bin ich 10 Jahre zusammen, vier davon verheiratet. Es gab bei uns immer Höhen und Tiefen, wir wussten aber eins ganz genau: wir lieben uns sehr. Und das ist auch heute noch so.
Seit dem letzten Jahr hat sich einiges geändert. Ich war krank und hatte viel Zeit, zum nachdenken. Mir erschien vieles in unserer Ehe nicht mehr "fair". Z.B. ist mein Mann drei Mal die Woche abends alleine in Sachen Sport unterwegs und zusätzlich auch noch mit Freunden etc. Früher war das für mich o.k., aber nun ist es das nicht mehr. Ich wünsche mir, dass er mir mehr Zeit und Zuwendung gibt. Wenn ich mit ihm darüber sprechen will, hat er auch ein offenes Ohr dafür, aber wirklich geändert hat sich an unserer Situation nichts.
Er verbietet mir auch einige Sachen, die ihn stören, aber ich lasse mir nichts verbieten, wir sind Partner, da muss man sich absprechen. Hm, sehr unschön war auch, dass er mich in einem Streit demletzt geschlagen hat, es tut ihm sehr leid und es kam auch nicht mehr vor.
Wir streiten sehr viel ... über tausend Kleinigkeiten.
Ich war viel zu Hause und habe angefangen zu chatten. Seit einem 3/4 Jahr habe ich einen sehr guten Freund, den ich aus dem Chat kenne. Wir haben uns auch einige Male getroffen, telefonieren alle paar Tage und schicken uns täglich mehrere SMS. Ich erzähle ihm sehr viel von mir, er ebenso. Er ist immer für mich da, wenn ich ihn brauche, gibt mir viele Ratschläge, hört einfach zu. Bei ihm fühle ich mich verstanden und sicher.
Beatrice, ich denke, er ist mehr als ein Freund, ich mag ihn sehr. Zwischen uns war aber körperlich nichts, obwohl ich auch schon bei ihm übernachtet habe, wir sind Freunde, das sagen wir uns oft. Er ist geschieden. Wenn er mal ein Date hat, fragt er mich, was er anziehen oder welche Blumen er kaufen soll. Ich freue mich, dass er mich fragt, und gebe ihm gerne Tipps. Ja und ich leide jedesmal, wenn er mit einer Frau ausgeht und erst, wenn ich am nächsten Tag erfahre, dass er immer noch Single ist, dann bin ich beruhigt. Dabei würde ich ihm eine Freundin sehr wünschen, will, dass es ihm gut geht. Ich sehe das so, ich weiß, dass ich ihn nicht haben kann (auch nicht will, liebe ja meinen Mann), aber habe Angst, dass sich unser Verhältnis ändert, wenn es eine Frau in seinem Leben gibt. Soll ich mit ihm über meine Ängste und Gefühle sprechen? Ich habe Angst, alles kaputt zu machen.
Er hat mich gefragt, ob wir zusammen in Urlaub fliegen (mein Mann fliegt nicht, denkt, er hätte Flugangst und ich würde so gerne mal wieder auf eine Insel). Kann ich als verheiratete Frau mit einem anderen Mann in Urlaub fahren?
Eine Freundin von mir meinte, ich solle den Kontakt zu ihm abbrechen, er würde meine Ehe gefährden. Die Freundschaft zu ihm ist mir aber sehr viel Wert.

Tja und dann ist da noch ein anderer Mann. Ihn kenne ich auch aus dem Chat. Er ist superlieb, zuvorkommend, ein sehr herzlicher Mensch. Mit ihm habe ich mich auch getroffen. Und, tja, wir haben uns leidenschaftlich geküsst und umarmt, hatte einfach das Bedürfnis, geliebt zu werden. Er liebt mich wirklich. Jetzt geht es ihm schlecht, weil ich den Kontakt eingestellt habe. Ich will, dass es ihm gut geht, mich kann er nicht haben, ich will ja mit meinem Mann zusammen sein. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es ihm schlecht geht, außerdem schäme ich mich, dass ich meinen Mann betrogen  habe, er weiß von alledem nichts.
Ist es o.k., dass ich den Kontakt eingestellt habe??

Ich habe auch Dinge in meiner Ehe getan, die nicht in Ordnung waren. Auch ich trage Verantwortung, dass wir Probleme haben.
Wie können wir etwas für unsere Partnerschaft tun? Ich will wieder so mit meinem Mann wie früher zusammen leben, aber ich habe mich verändert.
Ich habe Angst, dass wir es nicht packen. Er ist mir so wichtig, wie lernen wir uns wieder mehr zu schätzen?
Für deinen Ratschlag möchte ich mich jetzt schon bedanken.
Liebe Grüße von MARGIT




Hallo Margit,

hui! ein langer Brief mit vielen Fragen. Vor allem nicht leicht zu beantworten.
Ich sag erst mal was zu deinen "Nebenmännern": Wenn dir wirklich was an deiner Ehe liegt und du zur Zeit versuchst, sie wieder auf Vordermann zu bringen, dann lass das mit den Nebenmännern. Und zwar radikal. Dass du den Kontakt zu dem einen eingestellt ist, war richtig. Klar wird es ihn verletzt haben, aber wenn man sich mit einer verheirateten Frau einlässt, muss man mit Verletzungen rechnen.
Mit dem andern in Urlaub fliegen? Bist du verrückt? Wenn dir irgendwas an deiner Ehe liegt, dann lass es bleiben!!! Deine Freundin hat vollkommen recht. Tatsache ist: du bist verliebt in diesen Kerl. Sonst wärst du nicht so eifersüchtig, und das bist du! Wenn du mit ihm in Urlaub fahren würdest, würdest du dich noch mehr verlieben und hättest auch Sex mit ihm, so viel ist sicher. Und dann könntest du deine Ehe wahrscheinlich wegschmeißen. Willst du das riskieren? Du hältst an ihm fest mit der verblümelten Begründung "Die Freundschaft zu ihm ist mir aber sehr viel Wert." Es ist okay, neben einer Ehe oder Beziehung noch Freunde des andern Geschlechts zu haben - aber nicht, wenn da Gefühle im Spiel sind - und das sind sie bei dir definitiv. Ich schätze, dir geht´s weniger um seine sog. "Freundschaft" als um das Wohlgefühl, was er dir verschafft: Kribbeln, Verständnis, Begehren...
Also nochmal: Wenn du deine Ehe aufmöbeln willst, dann lass diese Spielereien - und hör verdammt nochmal auf, im Internet wildern zu gehen!

Was die Renovierung deiner Ehe betrifft:
Gib mir noch ein wenig Zeit und beantworte mir bitte noch ein paar Fragen, damit ich ein wenig mehr Einblick in eure "Beziehungs-Zusammenhänge" kriege:
1) Du fragst: wie lernen wir uns wieder mehr zu schätzen? Warum und inwiefern schätzt ihr euch nicht mehr?
2) Worüber streitet ihr? Und wie laufen die Streits typischerweise ab?
3) Wieviel eurer gemeinsamen Zeit verbringt ihr mit Streiten, Miss-Stimmung, dicker Luft und negativen Gefühlen? Die Hälfte? Zwei Drittel?
4) Wieviel Zeit pro Woche verbringt ihr effektiv gemeinsam, d.h. gestaltet sie zusammen, um etwas zu machen, was euch beiden gefällt? (in Stunden)
5) Falls es wenig Zeit ist: Warum ist es wenig?
6) Habt ihr viel oder wenig gemeinsame Interessen? und geht ihr diesen Interessen gemeinsam und aktiv nach?
7) Seid ihr noch oft zärtlich zueinander? Und wie läuft´s mit dem Sex? Fühlen sich Zärtlichkeit und Sex von ihm noch gut für dich an?
8) Gibt es bei euch noch verliebte Momente?
9) Wie oft und wie lang verreist ihr?
10) Welche größeren Probleme belasten eure Ehe?
11) Wie sieht´s aus mit Kindern?
12) Habt ihr eine gemeinsame Zukunftsperspektive? Wenn ja, welche?
13) Was versucht er dir zu verbieten?
14) Hat er das Sagen in eurer Beziehung? Wie läuft das?
Bitte antworte ausführlich, und ich werd mir so meine Gedanken dazu machen...
Bis dann
Beatrice




Hallo liebe Beatrice,

schon einmal vielen Dank, dass du mir geantwortet hast. Es ist schwierig für mich, mit jemandem über diese Probleme zu reden, du hilfst mir mit deinen Ratschlägen wirklich. Über deine Worte habe ich lange nachgedacht. Tja, es hat mir nicht gefallen, dass du mir rätst, die Freundschaft zu diesem Mann zu überdenken, weiß aber, dass du damit sehr Recht hast. Bereits gestern habe ich ihm abgesagt, mit ihm in Urlaub zu fliegen. War schwer, aber ich weiß, es war richtig. Mein Mann und meine Ehe sind mir mehr Wert als alles andere. Dafür will ich auch wirklich etwas tun.

Du hattest noch einige Fragen, die ich gerne beantworten will.
1) Du fragst: wie lernen wir uns wieder mehr zu schätzen? Warum und inwiefern schätzt ihr euch nicht mehr?
Damit meinte ich, dass man den anderen wieder schätzt, die Zeit mit ihm genießt, ihn/sie einer anderen Aktivität vorzieht. Wir schätzen uns nicht immer, wenn er lieber Sport sieht und ich ein Telefonat vorziehe, dabei könnte man den Abend gut zu zweit verbringen. Er ist verbal ausfallend, auch beleidigend, dann empfinde ich mich nicht geschätzt, früher hätte er das nicht getan.

2) Worüber streitet ihr? Und wie laufen die Streits typischerweise ab?
Du, wir streiten über viele tausend Kleinigkeiten. Wer dies oder jenes besser kann oder weiß, wer etwas tun soll oder nicht. Wie läuft so ein Streit ab?? Heute Abend ... er wollte Fern sehen, ich wollte etwas mit ihm gemeinsam machen, draufhin meinte er, dass ich gestern Abend auch nicht zu Hause war (da war ich mit einer Freundin im Café), da wäre er auch alleine gewesen, da hätte er sich liebend gerne mit mir beschäftigt, .... dann streiten wir nicht über den Abend und diesen Konflikt, sondern über ganz allgemeine Dinge, die unsere Beziehung belasten. Es fängt immer klein an und dann steigert sich das ganz langsam. Wir reden meistens am nächsten Tag, wenn die Wogen geglättet und die Gefühle beruhigt sind, darüber, verprechen und geloben beide Besserung, tja, leider streiten wir immer wieder darüber. "Lernen" im Sinn von Verhaltensänderung ist nur bedingt gegeben. Solch einen Satz würde er mir jetzt auch vorwerfen. Es nervt ihn oft, dass ich ihn dann angeblich wie eine "Lehrerin" behandle.

3) Wieviel eurer gemeinsamen Zeit verbringt ihr mit Streiten, Miss-Stimmung, dicker Luft und negativen Gefühlen? Die Hälfte? Zwei Drittel?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal ist bei uns tagelang alles wie früher, d.h. wir verstehen uns wirklich gut, reden viel miteinander, da gibt´s keine dicke Luft, wir können uns absprechen und einigen. Dann gibt es Tage, da kannst du die Luft dann schneiden, da geht gar nix mehr... Hm, von einem Monat ist aber sicher eine Woche unschöne Stimmung.
Wenn ich lese, was ich dir gerade schreibe, werde ich richtig traurig. Ich habe ehrlich Angst, dass wir es nicht schaffen.

4) Wieviel Zeit pro Woche verbringt ihr effektiv gemeinsam, d.h. gestaltet sie zusammen, um etwas zu machen, was euch beiden gefällt? (in Stunden)
Das ist an einigen Tagen abends, wir können uns auch gut alleine beschäftigen, spielen etwas zusammen, sehen Fern, reden, spazieren, im Sommer ab und zu radeln. Am Wochenende sind wir samstags fast immer mit Freunden zusammen. Doch, das gefällt uns. Zu zweit sind wir aber nicht immer gerne alleine, da ist schon das Bedürfnis, sich mit anderen zu treffen. Finde ich auch nicht schlimm, aber früher war das nicht so ... in den ersten 5 Jahren hat es uns genügt, wenn wir beide uns hatten, da war es total schön, wenn wir uns abends einfach nur in den Armen im Bett lagen.
5) Falls es wenig Zeit ist: Warum ist es wenig?
Es ist nicht sehr viel Zeit, das stimmt wohl. Warum? Andere Interessen, zu viele Hobbies auf beiden Seiten, auch unterschiedlicher Art. Zumindest vordergründig, wäre das eine Erklärung. Wenn ich das tiefer durchdenke ... vielleicht mangelndes Interesse oder auch die Tatsache, dass wir uns manchmal auf den Wecker gehen.

6) Habt ihr viel oder wenig gemeinsame Interessen? und geht ihr diesen Interessen gemeinsam und aktiv nach?
Das habe ich wohl schon bei Nr.5 beantwortet. Wir haben auch gemeinsame Interessen wie unsere Freunde, Kochen, wir reden viel, Kino .... aber im letzten Jahr sind die Interessen mehr und mehr auseinander gegangen. Ich bin eher modern, mag Mode, neue Technik usw., er ist eher altmodisch. Er liebt Sport, ich überhaupt nicht. Er trifft sich gern mit seinen Kumpels, ich kann mit denen nichts anfangen. Wir bekunden Interesse an den Hobbies des anderen, indem wir mal danach fragen, aber wirklich begeistern können wir uns beide nicht dafür. Wir sind jetzt in keinem Verein oder ähnliches.

7) Seid ihr noch oft zärtlich zueinander? Und wie läuft´s mit dem Sex? Fühlen sich Zärtlichkeit und Sex von ihm noch gut für dich an?
Zärtlich sind wir schon oft miteinander, wir liegen jeden Morgen, wenn der Wecker klingelt, beieinander und drücken uns ein bisschen. Auch sonst nehmen wir uns oft in den Arm, nehmen uns an der Hand ... Sex haben wir nicht sehr häufig, wobei das ja auch relativ ist. Er mag öfter als ich. Das liegt wohl daran, dass er es gerne schnell und effektiv mag, ich eher langsam und mit viel Zuwendung. Außerdem muss für mich die Harmonie im Alltag stimmern, ansonsten habe ich keine Lust auf Zärtlichkeiten. Nachdem er mich geschlagen hatte, brauchte ich eine ganze Weile, bis ich ihn wieder so nahe an mich rankommen ließ.Ja, aber die Zärtlichkeiten fühlen sich gut an, er kann sehr sensibel sein, wenn er will und sich die Zeit lässt.
Ich sehe es so, ich denke, wir müssen beide aufeinander eingehen; fühle ich mich nicht respektiert und geschätzt, dann ist für mich diese körperliche Nähe ausgeschlossen. Er weiß das, versteht mich auch.
Er gibt sich oft Mühe, in der letzten Zeit aber auch weniger.

8) Gibt es bei euch noch verliebte Momente?
Ja, schon. Wir haben so viele gemeinsame Erinnerungen, da reden wir auch oft drüber. Da sind Lieder, die uns verbinden, ein ganz individueller Wortschatz, Blicke, hmmm, doch. Oder ich freue mich wirklich sehr oft, wenn es kurz vor halb 6 Uhr abends ist und ich weiß, er kommt jetzt gleich nach Hause.

9) Wie oft und wie lang verreist ihr?
Im Sommer fahren wir immer 2 Wochen irgendwohin, an den langen Wochenenden (Fasching, Christihimmelfahrt, Fronleichnam, etc.) besuchen wir Freunde, die weiter weg wohnen. Wie gesagt, ich möchte eben auch mal wieder fliegen, er weigert sich strikt, denkt, er hätte Flugangst.

10) Welche größeren Probleme belasten eure Ehe?
Puh, sehr schwere Frage. Beatrice, wir haben eigentlich alles, was wir brauchen, es mangelt uns an nichts Materiellem.
Bei meinem Mann hat seine Angst wieder angefangen. Ich meine jetzt Angst als Krankheit, das hatte er früher schon mal.
Ich denke sehr viel nach, will vieles immer besprechen, verbessern, das kann auch zuviel des Guten sein.
Größere Probleme?? Ich weiß darauf im Moment keine rechte Antwort.
Dieses Auseinanderleben ist für mich das größte Problem.

11) Wie sieht´s aus mit Kindern?
Tja, ganz trauriges Thema. Ich kann sehr wahrscheinlich keine kriegen. Nun, ich hoffe und  warte ab, werde mir andere Meinungen einholen. Für uns war immer klar, dass wir mal welche haben würden.
Ist sehr schwer für mich. Für ihn sicher auch, aber er sagt, dann soll es eben nicht sein.

12) Habt ihr eine gemeinsame Zukunftsperspektive? Wenn ja, welche?
Ja, wir sind seit einiger Zeit dabei, uns nach einem Haus umzusehen. Wir wollen ein Eigenheim, mehr Platz, einen Garten, der uns beiden fehlt.
Ich gebe zu, es macht mir schon Angst zu wissen, man lastet sich diese gemeinsamen Schulden für 30 Jahre auf, kann man so weit im voraus planen??
In der Zukunft sind wohl auch Kinderwünsche, aber wie gesagt, das sieht nicht so gut aus. Und mir ist in der nahen Zukunft einfach wichtig, dass es zwischen uns wieder besser wird.

13) Was versucht er dir zu verbieten?
Er versucht mir vieles zu verbieten. Ein Beispiel ... letztes Jahr wollte ich unbedingt ein bestimmtes Paar Schuhe, leider sehr teuer. Ich hab sie heimlich gekauft, aber etliche Male getragen. Und er hat sie ein viertel Jahr nicht bemerkt Als ich es ihm dann im Spaß mal gestanden habe, sprach er tagelang nichts mit mir.
Oder er braucht relativ viel Geld für seinen Sport, ich dagegen telefoniere gerne oder mag Klamotten. Er rechnet mir schon vor, dass ich soundsoviel telefoniere, was ja in seinen Augen "unnötig" ist. Wir haben uns jetzt geeinigt, dass jeder einen ca.Betrag ausgeben kann, aber es stört ihn immer noch. Er nimmt sich Dinge raus, die er mir nicht zugesteht.
Er ist wirklich viel unterwegs, ich dagegen nur einen Abend in der Woche, da treffe ich mich mit meiner besten Freundin. Ist dann folgende Situation, dass bei ihm ein Termin nicht stattfindet, dann will er mir verbieten, dass ich weggehe, weil er sonst alleine ist. Dass ich mindestens die Hälfte der Woche alleine bin, das sieht er nicht ein.

14) Hat er das Sagen in eurer Beziehung? Wie läuft das?
Hm, Außenstehende denken sicher, ich hätte das Sagen, aber ich denke, wir haben das beide oder eben auch nicht. Aber in vielem hat er schon das Sagen, einfach deswegen, weil ich mich besser arrangieren kann. Ich bin harmoniesüchtig, kann wohl besser nachgeben, dass der Alltag funktioniert.

Ach Beatrice, bin auf deine Antwort schon gespannt. Ich danke dir sehr für Deine Mühe!
Liebe Grüße  von
MARGIT




Liebe Margit,

so wie ich das sehe, verbringt ihr die wenige gemeinsame Zeit zu einem großen Teil mit Zänkereien und dicker Luft, oder? Eine Woche im Monat "schiefer Haussegen", das ist viel zu viel. Da wundert es mich nicht, wenn dein Mann dir immer weniger Zeit opfert und sehr viel außer Haus ist. (Das soll jetzt keineswegs heißen, dass ich dir die Schuld zuschiebe. Aber du bist diejenige, die offenbar mehr drunter leidet und gewillt ist, etwas zu tun.) Also musst du das "Dicke-Luft-Problem" als erstes ändern. Damit meine ich nicht, dass du jetzt in allem nachgeben sollst, sondern dass du selber aufhörst mit Nörgeln, Meckern, spitzen Bemerkungen usw., aber dich gleichzeitig überwindest, deine Harmoniesucht loszuwerden. Es ist für deine eigene Zufriedenheit (und damit auch für eure Beziehung) sehr wichtig, dass du deinen eigenen Interessen nachgehst und z.B. dich öfter mit Freundinnen triffst, außer Haus gehst, mit deinem Geld machst, was du willst usw. Du musst lernen, es auszuhalten und gelassen zu bleiben (!!!), dass dein Mann dann meckert - er wird sich bald damit arrangieren.
Vom Hauskauf würde ich tendenziell eher abraten, solang eure Ehe nicht wieder völlig im Lot ist. Offenbar habt ihr etwas Geld beiseite gelegt, und ich denke, es wäre vorerst besser angelegt, wenn ihr es investiert, um eure Liebe wieder auf Vordermann zu bringen. Zum Beispiel indem ihr mehr verreist und euch ein paar gemeinsame Hobbies zulegt, z.B. zusammen etwas lernen, einen Sport, eine Sprache... Es muss doch einiges geben, was euch beiden zusagt!
Was das Reisen betrifft, musst du seine Flugangst respektieren. Flugangst ist etwas, das man nicht einfach als "eingebildet" abtun kann. Zumal dein Mann ja auch eine anderweitige Angsterkrankung hat. Ein Nichtbetroffener kann nie ganz nachvollziehen, was das für einen Betroffenen bedeutet. Er kann es mental noch so sehr verarbeitet haben - es sitzt trotzdem in ihm drin und haut ihn in bestimmten Situationen einfach um.
Also überlegt euch einen Weg, wie ihr ans Meer kommt, ohne zu fliegen. Man kann ja z.B. auch den Weg selbst zur Reise machen: per Reisebus, per Campingbus oder per Auto und Fähre. Ich hab zum Beispiel mal eine wunderbare Auto-Reise nach Portugal gemacht, über Italien, dann an der Riviera lang, Südfrankreich, Spanien, und über Nordspanien, Nordfrankreich, Holland wieder zurück.

"Es nervt ihn oft, dass ich ihn dann angeblich wie eine "Lehrerin" behandle" - mach dir das bewusst und hör sofort auf damit. Vergegenwärtige dir im Geiste ein paar solcher Situationen und leg dir zurecht, wie du ihn anders hättest behandeln können.

"ich freue mich wirklich sehr oft, wenn es kurz vor halb 6 Uhr abends ist und ich weiß, er kommt jetzt gleich nach Hause." Zeigst du ihm das auch? Tu es mal wirklich, in Worten und Taten (dich hübsch machen, ihm sein Lieblingsessen zubereiten...).

"Ich war viel zu Hause und habe angefangen zu chatten..." Mir scheint, das ist immer noch so. Ändere das. Hör auf mit der Chatterei und geh mehr aus dem Haus. Wenn du dauernd zu Hause sitzst, hat dein Mann sicher den Eindruck, du hockst nur daheim und wartest drauf, dass er kommt und sich um dich kümmert, und das setzt ihn unterschwellig unter Druck. Andererseits ist es auch bequem für ihn, denn er kann seine eigene Zeitplanung durchziehen und muss sich nicht nach dir richten. Aber diese Bequemlichkeit führt auch dazu, dass er dich nicht mehr so schätzt, wie er sollte.

"...vielleicht mangelndes Interesse oder auch die Tatsache, dass wir uns manchmal auf den Wecker gehen" - da gilt es, eine Balance zu finden zwischen "Interesse zeigen" (fang du damit an!) und "Abstand wahren, eigene Wege gehen". Habt ihr vielleicht in der Vergangenheit zu viel "aufeinander gesessen"? Seid ihr einander zu selbstverständlich geworden? Überlege dir ein paar Schritte, um das zu ändern!
Ich habe auch den Eindruck, dass dein Mann er eine Menge Interessen hat und du kaum, oder? warum? Wie auch immer: Leg dir ein paar neue Hobbies und Aktivitäten zu, so dass du für ihn wieder interessanter wirst. Es geht kurz gesagt darum, dich wieder als Individuum wahrzunehmen und zu präsentieren und gleichzeitig die gemeinsame Zeit mit ihm so zu gestalten, dass er sie als angenehm empfindet.

Ich gebe dir jetzt mal ein kleines Programm an die Hand, womit du frischen und positiven Wind in deine Ehe bringen kannst. Es ist die Kurzform eines sehr klugen Buches der US-Ehetherapeutin Michele Weiner-Davies: "Dog-Training oder: Jetzt ändere ich meinen Mann" (Trias-Verlag). Wobei der Titel etwas irreführend ist, denn es geht nicht nur drum, seinen Partner zu ändern, sondern auch die eigenen Verhaltensweisen und die ganze Atmosphäre in der Beziehung. Ich weiß, dass es funktioniert, denn ich habe es selber verschiedentlich angewandt. Allerdings musst du dafür sehr konsequent und auch geduldig sein. Ich geb dir jetzt nur mal ein paar Anhaltspunkte, die auf deine Situation gemünzt sind (ich hab einen Artikel von mir auf dich umgeschrieben, also wundere dich nicht, wenn ich "Sie" statt "Du" sage - war mir dann doch zu viel Arbeit), aber ich bitte dich, dieses Buch zu kaufen und aufmerksam zu studieren.

Das Grundprinzip ist, dass du die "Strategien" oder Mechanismen, mit denen du bis jetzt versucht hast, deine Beziehung zu ändern / deinen Mann zu etwas zu bewegen, aufgibst, wenn sie nicht funktioniert haben, und etwas anderes anwendest (mehrere Versuche mit verschiedenen Ansätzen). Und dass du die Dinge, die sich auch danach noch nicht geändert haben, akzeptierst als Eigenheit eurer Partnerschaft und dich damit arrangierst.

Es geht los...

Sobald ein Mann spitzkriegt, daß Sie ihn ummodeln oder zu unerwünschten Handlungen bringen wollen, macht er auf stur. Die erste Regel lautet also:
o Lassen Sie ihn Ihre Änderungstricks nicht merken (und verstecken Sie das Buch gut!). Denn A) läßt sich ein echter Kerl nichts (oder wenig) von einer Frau sagen und hat seinen eigenen Kopf, B) will er ja um seiner selbst willen geliebt werden, C) kommt er selber bestens klar damit, wie er ist. Behalten Sie also immer im Auge, daß er denkt, er wolle es selbst. Wie Sie das hinkriegen, verraten wir gleich.
o Denken Sie lösungsorientiert. Verschwenden Sie keine weitere Zeit damit, nach den Ursachen zu forschen, warum er so (egozentrisch / respektlos / ...) geworden ist. Die Erkenntnis "Seine Erziehung / die Schwiegermutter / unsere Machogesellschaft hat ihn verdorben" nützt Ihnen nichts. Weiner-Davies: "Verschwenden Sie Ihre Energie nicht länger damit, Ihren Partner davon zu überzeugen, Sie beide hätten ein Problem, dessen Ursache er ist, sondern setzen Sie diese Energie effektiver ein." Ändern Sie sich, dann ändert auch er sich. Schuldzuweisungen bringen Sie nicht weiter - schauen Sie nach vorn...
Überlegen Sie vorher, wie Sie das gewünschte Verhalten am besten auslösen. Tun Sie das, was Erfolg verspricht, und nicht das, was eine spontane Regung Ihnen eingibt.
o Setzen Sie sich ganz genaue Ziele.
Wünsche wie "hätte er nur mehr Zeit für mich" sind zu pauschal. Sie müssen konkretisieren, etwa: "Ich möchte, daß er jeden zweiten Tag mindestens eine Stunde mit mir gestaltet, ohne dabei etwas anderes zu tun, z.B. fernsehen." Teilen Sie die Ziele in kleine Schritte auf ("heute abend 15 Minuten Kuscheln und Streicheln") und realisieren Sie einen nach dem anderen. Wenn Sie zuviel auf einmal wollen, besteht Schiffbruchgefahr.
Und formulieren Sie positiv! Also statt "wäre er nur nicht so oft abwesend" lieber "ich möchte, daß er mehr mit mir unternimmt."
Er kommt Ihnen eher entgegen, wenn er genau weiß, was Sie von ihm wollen - und wenn Sie nicht gleich zuviel verlangen.
Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie wollen, nicht auf das, was Sie nicht wollen. Übgerlegen Sie nicht, wie er sein sollte, sondern was konkret er tun soll. Das ist seine Sprache.

So - jetzt geht´s los: die zehn Zauberstrategien, um das Beste aus Ihrem Schatz zu holen. Welche die richtige für Ihren Fall ist, müssen Sie nach Gefühl entscheiden. Haben Sie Geduld, wenn´s nicht gleich funktioniert, geben Sie ihm mindestens zwei Wochen zu reagieren. Nur wenn Ihre Beziehung in Gefahr ist, versuchen Sie gleich eine andere Methode.
1) Formulieren Sie Ihre Bedürfnisse knapp, deutlich, einfach und freundlich.Wenn Sie zuviel drumherumquatschen, geht´s bei ihm zum einen Ohr rein und zum andern wieder raus. (Und hüten Sie sich vor negativen Erwartungen und Zynismus à la "du wirst zwar wieder die ganze Woche für deine Kumpels verplant haben, aber vielleicht hast du ja mal die Gnade, mir ein paar Stündchen zu widmen" - das erzeugt gleich Widerstand!) Falls Ihre klare und nette Bitte nicht fruchtet, probieren Sie einfach eine der folgenden Methoden.
2) Quengel- und Totquatsch-Stop. Männer haben eine Allergie gegen alles, was nach Bevormundung riecht, und Ihre ausschweifenden Wortkaskaden, wiederholten Hinweise oder gutgemeinten "Ratschläge" empfinden sie als Besserwisserei oder Nörgeln. Und damit haben sie auch gleich einen guten Grund, sich zu widersetzen. Geben Sie ihnen diese Chance erst gar nicht. Wenn Ihr Partner sagt: "Hör auf zu nörgeln / mich zu belehren", dann tun Sie genau das. Das schafft schon mal eine positive Grundlage für die beste Strategie:
3) Aktionesisch. Weiner-Davies: "Um Ihren Partner zu ändern, müssen Sie seine Welt betreten und lernen, wie er denkt und fühlt. Sie müssen wissen, was in ihm vorgeht, was sein Interesse weckt, was ihn antreibt" - und was ihn abschreckt! Etwa Diskussionen. Eine Sprache, die alle Männer verstehen, ist "aktionesich": Handeln statt quatschen. Wenn er zum Beispiel immer mindestens eine halbe Stunde zu spät kommt, dann sind Sie eben nach 15 oder 20 Minuten weg. Wenn er am Wochenende zu wenig mit Ihnen unternimmt, verplanen Sie Samstag und Sonntag mit anderen Leuten. Das fällt anfangs schwer, aber ist besser als Dauer-Frust. Schwärmen Sie ihm hinterher vor, wie nett Sie es hatten - vielleicht kriegt er dann Lust, das nächste Wochenende "nett" mit Ihnen zu verbringen!
4) Positive Verstärkung. Wenn er etwas in Ihrem Sinne tut, reagieren Sie positiv. Durch Freude, Gut-Drauf-Sein, Lob, Komplimente, Zärtlichkeit... Selbst wenn Sie siene Tat für selbstverständlich halten oder sein Entgegenkommen geringer ausfällt als Sie sich erhofft haben: bitte auf keinen Fall eine Schnute ziehen, sondern jedes Schrittchen in Ihre Richtung honorieren - und zwar sofort, damit sein Unterbewußtsein es mit etwas Gutem verbindet. (Aber machen Sie´s nicht zu offensichtlich!) Kritisieren Sie ihn nicht, wenn er es nicht ganz in Ihrem Sinne tut.Belohnen Sie ihn, selbst wenn er es nicht besonders verdient hat - etwa weil sein Beziehungsbeitrag schon längst fällig war. Wichtig: Die Belohnung muß nach seinem Geschmack sein. "Tun Sie, was ihm gefällt, nicht was ihm Ihrer Meinung nach gefallen sollte!" 5) Sorgen Sie dafür, daß er im Bett nicht zu kurz kommt.Sexuell befriedigte Männer sind, da das so ein wichtiger Bereich für sie ist (der wichtigste?), eher bereit, dann ihrerseits viel zu geben - wo auch immer.
6) Ignorieren Sie unerwünschtes Verhalten.Jede Form von Beachtung, auch negative, bestärkt ihn. Gerade wenn Sie Provokationen beharrlich übersehen, hört er schließlich damit auf. Betonen Sie seine Stärken, übersehen Sie seine Schwächen. Wenn Sie ihn wirklich einmal zurechtweisen müssen, etwa weil er Sie verletzt hat, dann tun Sie es klar, schnell und versöhnlich. Sobald Sie es überziehen, sieht er nur Sie kritisch statt sich selber.
7) Tun Sie nichts. "Eine Beziehung ist wie eine Wippe", sagt die Fachfrau, "je mehr ein Partner tut, desto weniger tut der andere. Das gilt in fast allen Bereichen." Wenn Sie also diejenige sind, die immer das Reden, den Haushalt, die Freizeitplanung übernimmt, dann überwinden Sie sich, das für eine Weile seinzulassen. Halten Sie so lange durch, bis er reagiert. Oft bekommt er erst so Gelegenheit, das Thema auf seine Art anzugehen.
8) Kopieren Sie seine Untugenden und setzen Sie karikaturistisch noch einen drauf. Beispiel 1: Er versucht, Ihnen was zu verbieten. Verbieten Sie ihm im Gegenzug noch mehr, und zwar humoristisch-übertrieben, so dass er merkt, wie albern sein eigenes Verhalten ist.
Beispiel 2: er ist knickrig, Sie werden zum absoluten Pfennigfuchser. Und zwar so lange, bis er eine großzügigere Einstellung gewinnt.
9) Tun Sie etwas Unerwartetes. Statt immer auf dieselbe (erfolglose) Art zu reagieren, wenn er Ihnen gegen den Strich geht, tun Sie etwas, was Sie noch nie getan haben. Es kann auch was völlig Abgedrehtes oder Absurdes sein, etwa, laut loszulachen oder ihm den nackten Hintern zeigen. Oder das komplette Gegenteil dessen, was Sie sonst immer getan haben. Beispiel 1: Ihr Süßer verbringt immer mehr Zeit mit seinen Kumpels statt mit Ihnen, Sie warten auf ihn, jammern und nölen. Die Kehrtwendung: Sie zeigen viel Verständnis, daß er bei seinem Streß die Ablenkung durch die Freunde brauche, die Entspannung durch das Bier, und er müsse sich nicht beeilen, zu Ihnen zu kommen. Denn Sie haben sich schon für die ganze Woche mit Freundinnen verabredet (tun Sie´s wirklich!!!).
Beispiel 2: Er respektiert Sie nicht mehr richtig, ist oft herabsetzend. Anstatt beleidigt zu sein, sich zu rechtfertigen oder zurückzuschlagen, können Sie zweierlei tun: erstens ihm im ruhigen Ton sagen, dass er verletzend ist, zweitens ihn Ihrerseits sehr respektvoll behandeln und ihm ruhig auch mal wieder Komplimente machen und Anerkennung zollen für die guten Eigenschaften, die er sicher auch hat.
10) So tun als ob. Wenn Sie zum Beispiel an seiner Liebe zweifeln, dann tun Sie, als ob Sie sich seiner Zuneigung absolut sicher sein können, oder verhalten sie sich wie am Anfang, als Sie beide frisch verliebt waren. Erwarten Sie Gutes, denken Sie positiv, dann tritt es auch eher ein - nicht zuletzt, weil Sie eine ganz andere Ausstrahlung haben.
Fangen Sie an, ihn wieder zu schätzen; erstellen Sie eine (geheime) Liste seiner guten Eigenschaften und konzentrieren Sie sich wieder mehr darauf statt auf seine schlechten. Mache Sie den Anfang, und er wird automatisch nachziehen!
Wenn Sie Ihren Kerl von vornherein in eine Schublade stecken und negative Erwartungen haben, programmieren Sie den Mißerfolg vor. Und erlauben Sie ihm auch mal, anders zu sein. Ein Mann eben.

Und was, wenn eine der Methoden gefruchtet hat? Zurücklegen und auf den Lobeeren ausruhen? Bloß nicht! "Bleiben Sie am Ball", schärft die Spezialistin den Frauen ein, "sobald Sie damit aufhören, hört er auf, entgegenkommend zu sein, das garantiere ich Ihnen... Sie müssen ihm auch künftig einen Schritt voraus sein." Das selbe gilt auch für Rückschläge - begegnen Sie ihnen mit Kreativität und Optimismus.

So, Margit, das waren jetzt eine Menge Anregungen und Aufgaben für dich! Ich hoffe, du hast die Kraft und die Geduld, sie zu realisieren!
Alles Gute wünscht dir
Beatrice

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