Mein Freund hat ein seltsames Leiden, das unsere ganze Beziehung kaputtmacht
Hallo Beatrice,
Doch dieses Gefühl wird leider etwas überschattet.. Mein Freund leidet, seit dem wir zusammen sind, an unerklärlichen Störungen beim gehen/kann sich nicht auf den Beinen halten.. eine ganze Palette an Krankenhaus-und Artzbesuchen hat er schon hinter sich.
Nichts hat zum Erfolg geführt...keine Diagnose bis zum heutigen Tag!!
Er ist nun seit über einem Jahr krank geschrieben und ist den ganzen Tag in seiner Wohnung. Klar, dass man da depressiv wird ...
Am Anfang unserer Beziehung war ich noch sehr optimistisch, dass wir diese schwierige Situation schon meistern werden, aber momentan nervt mich nur noch alles..versuche es Dir etwas zu erklären.. Wir wohnen noch nicht zusammen und sehen uns nur am Wochenende. Die Wochenenden verbringen wir nur in der Wohnung, da er sich nicht auf den Beinen halten kann, er zieht sich immer mehr von mir zurück, wir gehen nirgendwo hin, sitzen nur vor dem Fernseher, Sexleben gibt es keins mehr,Freizeitgestaltung gleich null, Freunde haben sich auch schon alle zurückgezogen ...
Wir haben schon oft versucht, über die Situation zu sprechen, aber es endet mittlerweile meistens in einem Streit. Dazu kommt, dass ich seit Anfang unserer Beziehung hauptsächlich nichts anderes höre als das Thema seiner Krankheit.. Ich weiß, dass er nichts dafür kann und er es sich auch nicht ausgesucht hat, aber es zerrt einfach an meinen Nerven und ich merke, wie unsere anfängliche Vertrautheit und Zusammengehörigkeit immer mehr schwindet... Telefonate, die wir auf grund unserer Entfernung täglich führen, enden auch meist mit Frustration.. ich habe schon Angst, ihn anzurufen.
Was mich auch noch so frustriert ist, dass bei keinem Arztbesuch etwas verwertbares herauskommt ... mittlerweile erwische ich mich sogar dabei, dass ich ihn dafür verantwortlich mache ...
Ich will diesen Mann einfach nicht verlieren und ich weiß, dass wir ohne seine Krankeit super harmonieren würden... WAS SOLL ICH TUN?
Ehrlich gesagt, finde es unerträglich zu wissen, in unserer Beziehung ständig auf der Stelle treten zu müssen und kein Vorankommen stattfindet.. verstehst Du.. es passiert ja nichts... in keiner Hinsicht. Vielleich ist das falsch, aber ich denke ja in meinem Alter auch schon mal an Familienplanung, aber unter diesen Voraussetzungen ist das gar nicht möglich... Es gibt einfach keine schönen Momente, auf die man sich mal freuen könnte, wie z. B. ein Kinobesuch, einen Abend mit Freunden o.ä.
Habe ihm auch schon vorgeschlagen, gemeinsam zu einer Beratung zu gehen, aber er ist nur mit seiner Krankheit beschäftigt. Was ich ja auch verstehe, denn mittlerweile geht es ja um den evtl. Verlust seines Arbeitsplatzes ...
Bin einfach so frustriert und verzweifelt, wie soll ich damit umgehen???
Delia
Liebe Delia,
Von daher liegst du mit deinem Gefühl wahrscheinlich gar nicht so falsch, dass du allmählich denkst, es liegt an ihm selber.
Du sagst: "ich weiß, dass wir ohne seine Krankeit super harmonieren würden..." Bist du sicher? Mir kommt er vor wie ein passiver Jammerlappen, der nur um sich selbst kreist. Von Charakerstärke zeugt das nicht grade! Längst nicht alle kranken Leute verhalten sich so!
Außerdem könnte er trotz seines Handicaps mit dir eine viel bessere Beziehung führen, als er es tut. Er könnte trotzdem mit dir rausgehen (was machen, wo man halt nicht stehen muss), er könnte Sex mit dir haben, er könnte sich mehr um dich kümmern usw.
Stattdessen: "Die Wochenenden verbringen wir nur in der Wohnung, da er sich nicht auf den Beinen halten kann, er zieht sich immer mehr von mir zurück, wir gehen nirgendwo hin, sitzen nur vor dem Fernseher, Sexleben gibt es keins mehr, Freizeitgestaltung gleich null, Freunde haben sich auch schon alle zurückgezogen, ..."
Bei euch fehlen die Grundlagen für eine richtige und erfüllte Beziehung, von daher... Ich tu sowas ungern, aber ich bin der festen Meinung, dass NIEMAND sich aufopfern sollte für eine Beziehung, niemals! und schon gar nicht für eine dermaßen unerfüllte Beziehung... also von daher rate ich dir, dich allmählich von diesem Mann zu lösen.
Selbst wenn er morgen bereit wäre, eine Therapie anzufangen, würde es viele Jahre dauern, bis er seine Dinge im Griff hätte - oder es kann auch sein, dass er nicht die richtige Therapie hat oder sie nicht annimmt. Dazu kommt, dass er ja keineswegs morgen eine Therapie anfangen wird. Das heißt, bis er EVENTUELL mal so weit ist, dass er mit dir eine erfüllte Beziehung haben kann, bist du vermutlich Ende 30. Und stellst dann vielleicht fest, dass es immer noch hinten und vorne hakt und er das meiste dir auflädt.
Die Loslösung wird dir den Mut geben, ihn ganz offen mit all deinen Gedanken, deiner Frustration, deinen Wünschen zu konfrontieren. Denn die sind ja alle total berechtigt! Und dann hast du auch die Kraft, ihm die Pistole auf die Brust zu setzen: 1) er muss so bald wie möglich einen Termin in einer psychosomatischen Klinik machen, 2) er kann schon jetzt alles Mögliche tun, um die Beziehung für dich besser zu gestalten. Inklusive Sex.
Liebe Grüße
Beatrice
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