In jeder Beziehung inszeniere ich Dramen, warum?
Liebe Beatrice,
1. nach 3 Monaten ist man ja bekanntlich verliebt, aber nicht mehr sooo verknallt, das bedeutet, der Mann ist nicht mehr 150% aufmerksam wie ganz am Anfang, vielleicht verunsichert mich das.
2. ich behaupte von mir selber, dass ich eine "starke Frau" bin, zu 90% Prozent, ich arbeite, bin in einer fremden Stadt und habe mir hier Freunde, Arbeit, habe mir also alles selber "geschaffen"... vielleicht suche ich nach einem Grund, auch mal schwach sein zu koennen? Denn so wie ich eigentlich bin, bin ich stark, vielleicht schaffe ich mir eine Situation, um eben mal meiner Seele die Anspannung zu nehmen?
3. Vielleicht teste ich den Mann ganz unterbewusst, will sagen, ich schaue, ob er mich versteht, wenn ich es brauche, hat er an mir, meinem Geist, meinem Ich ueberhaupt Interesse... teste ich, ob es sich ueberhaupt lohnt, mit diesem Mann zu sein?
4. Schaffe ich unterbewusst eine Situation (eigentlich ist ja alles in Ordnung), die nicht schoen ist, um alles wieder kaputtzumachen, was ich mir aufgebaut habe?
Will ich Drama, weil ich ein "nettes" Nebeneinander her zu langweilig finde? Oder weil es mir zu eng wird?
5. Schaue ich, ob der Mann "so tief" in seinen Gefuehlen ist wie ich, kann er auch mal trauern, toben, kennt er das von sich selber und versteht (!) mich?
6. Versuche ich, der Beziehung vielleicht selber dadurch mehr "Tiefe" zu geben...? Natuerlich liebt man sich danach nicht stärker, was ich aber festgestellt habe bei den Maennern, wo ich eine lange Beziehung mit hatte (2 x 2 Jahre ca), dass man sich nach so einer Situation einander so geoeffnet hat, dass man sich mehr verbunden fuehlt!
7. Bin ich einfach nur verrueckt?
Natuerlich kennst Du mich nicht, aber vielleicht faellt Dir auch etwas dazu ein? Ich bin mit mir selber sehr im Reinen, ich denke auch viel ueber mich nach, ich analysiere auch gerne mal andere Menschen. Was mich wirklich stoert, und eigentlich ja behindert, ist, dass ich gemerkt habe, dass ich diesem Verhaltensmuster nicht entkomme!!! Ich finde das schade, dass ich mir damit mindestens eine Beziehung kaputtgemacht habe. Dies war dann, wie ich nachher feststellte, auch nicht so besonders schlimm, da der Mann nicht viele Gefuehle hatte, was ich dann feststellte, als ich eben heulte... (im Grunde schon ein guter Selbstschutz, den ich mir da aufgebaut habe :-)... aber was ist, wenn ich mal die Liebe meines Lebens treffe und es mir durch mein seltsames Verhalten versaue?
Ich bin gespannt auf Deine Gedanken!
Wanda
Liebe Wanda,
1) Welche Beziehuungsmuster hast du in deiner Kindheit erlebt? Wie gingen deine Eltern (oder nächsten Bezugspersonen) mit ihren Partnern um? Wie gingen sie mit dir um?
2) Hast du in deinen längeren Beziehungen ofter ein "Drama inszeniert"? Wenn ja, weswegen und was war dann?
3) Gibt es einen Anlass oder Auslöser für deine Dramen, der immer wiederkehrt?
4) Sind deine Dramen der Hauptgrund, warum sich Männer von dir abwenden?
Bis bald?
Beatrice
Liebe Beatrice,
Zu 2) In meiner bis jetzt laengsten Beziehung (2 Jahre) habe ich dieses "Drama" 2 x veranstaltet. An was ich mich noch erinnere ist, dass wir einmal auf einer Party waren, und er einer anderen Frau (derselbe typ Frau wie ich... und ich hatte mir schon vorher gedacht "wenn er auf eine fliegen wuerde, dann auf diese Frau") wirklich ziemlich offensichtlich mehrmals auf den Hintern schaute und mit ihr flirtete. Dies war nach 1 Jahr Beziehung mit mir, und ich war wirklich am Boden zerstoert, da ich mir "vom Thron gestossen" vorkam... er hatte bis dahin nie eine andere Frau angeschaut.
In meiner anderen langen Beziehung war das, weil mein Freund verabredet war mit seiner Exfrau, und sie nach dem Treffen mit mir noch treffen wollte und sie auf ihn wartete und er lsomusste. Inwieweit er noch Gefuehle hatte fuer diese Frau weiss ich bis heute nicht. Dies war eine sehr schwierige Beziehung fuer mich, da sie noch eine Firma miteinander haben und er eben noch sehr mit ihr verbandelt war. Ich habe in diesem Moment ploetzlich schwarzgesehen und angefangen zu weinen und auch wenn es sich laecherlich anhoert, in diesem Moment kam alles hoch, aller Schmerz den ich jemals hatte, und ich bin noch heute froh, dass ich damals nicht mit dem Auto wieder nach Hause fahren musste, sondern mit der Bahn.
Zu 3) Was als Anlass immer wiederkehrt, ist, dass diese "Inszenierungen" immer dann auftauchen, wenn ich mit meinem Freund auf andere Frauen treffe. Ich kann sehr gut Leute beobachten (zum Beispiel merke ich sofort, wer mit wem heute noch "in der Kiste" landet, viel schneller als meine Freunde ueberhaupt nur merken, dass ueberhaupt Funken fliegen), und somit bekomme ich - leider - auch sofort mit, wenn mein Freund eine andere Frau anschaut. Ich habe mich mal selber dabei beobachtet, im Moment habe ich einen Liebhaber, mit dem ich aber auch ausgehe, ansonsten verbindet uns nicht so viel, ausser halt Sex. Bei ihm merke ich auch sofort, wenn er eine andere Frau interessant findet... das bereitet mir aber eher Vergnuegen, mir das anzuschauen, wie er als Mann die Frauen abcheckt. Da ich eben nicht "die grosse Liebe" fuer ihn empfinde. Gehe ich dann aber mit meinem Freund weg, also meinen Exfreunden, dann merke ich das auch sofort, und das ist dann alles andere als lustig. Dann werde ich schnell zickig (im Kopf) und male mir die schlimmsten Dinge aus. Nach aussen hin bin ich ruhig, aber sehr unkommunikativ. Sehr oft kommt es dann vor, dass ich gehen moechte. Als mir das das letze Mal passiert ist, da hab ich draussen auf der Strasse gedacht "Jetzt hab ich ihn wieder fuer mich alleine, jetzt bin ich sofort ruhiger". Trotzdem ist dann so viel Stress in mir aufgebaut, dass ich dann schon mal anfange zu heulen. Dieses Gefuehl von Eifersucht kommt bei mir nur hoch, wenn ich auf Frauen treffe, die ich nicht kenne, mein Freund kann meinetwegen mit meinen Freundinnen flirten, das macht mir dann nichts.
Zu 4) Seltsam aber wahr: Meine Dramen sind nie der Hauptgrund gewesen, warum eine Beziehung kaputtging. Mein einer Freund hat mich dann immer getroestet, mein anderer Freund eher ausgelacht. Dieses Auslachen hat mich weiter gebracht als das Troesten, da ich begann, ueber den Grund nachzudenken, warum ich so empfinde.
Da ich nun offensichtlich diese andauernde Bestaetigung von einem Mann brauche, und nicht damit umgehen kann, wenn ich sie nicht habe bzw das Gefuehl habe, die Kontrolle ueber "meinen Mann" zu verlieren, wuesste ich gerne, was ich machen kann. Dass ich Parties oder "Menschenansammlungen mit Frauen" ja nicht vermeiden kann, und es mir, jetzt wo ich darueber nachgedacht habe, sehr kontrollierend und klammernd vorkommt, und ich ja auch einem Mann zugestehen moechte, dass er mal andere Frauen anschaut, er ist ja nicht bei mir eingesperrt... haette ich gerne ein paar Ideen von Dir!
Was ich noch sagen moechte, ist, dass dieses "ausflippen" selten ist und ich meistens schon mit Humor damit umgehen kann. Wenn aber doch mal so eine Situation war, dann kann ich nichts dagegen machen, weder mit Verstand noch mit Witzen gegen mich selber. Teilweise ist mir dann schon aufgefallen, dass ich das Gefuehl habe, dass ich meinen eigenen Gefuehlen nicht trauen kann. Ich weiss dann nie, wieweit ist das richtig, was ich sehe oder mir einbilde zu sehen, dann sage und mache ich nichts, auch nichts negatives, und stelle hinterher fest, dass wirklich nichts (!) war. Ich habe mich durch diese "Dramen" uebrigesn schon ein paar Mal boese blamiert in meinem Leben, das kannst Du Dir vorstellen!
Diese Unruhe in mir und dieses Gefuehl, dass ich nicht richtig unterteilen kann, ob jetzt, total uebertrieben gesagt, gleich mein Freund mich wegen einer anderen Frau verlaesst oder er sie eben nur nach einem Glas Wasser gefragt hat... das ist sehr nervenaufreibend. Ich wuesste von Dir gerne, was ich dagegen machen kann - meinetwegen gehe ich auch sehr gerne zum "Klapsendoktor" :-)
Liebe Gruesse, Wanda
Hi Wanda,
Also meiner Einschätzung nach bist du einfach eine interessante, intelligente, lebhafte juge Frau mit einem leicht erhöhten Geltungsbedürfnis ("Prinzessinnen-Komplex" - wie du schon nahelegst: für Papa warst du die Prinzessin, dein Unterbewusstsein erwartet das auch von deinen Partnern). Aber das noch in einem durchaus tolerierbaren Rahmen. Es gibt Frauen, bei denen das viel schlimmer ist. Zum Beispiel mein bester Freund hat so eine. Er ist wirklich der liebste, einfühlsamste, verständnisvollste Mensch, den ich kenne, eigentlich zu gut für diese Welt, aber seine Freundin findet immer etwas, was sie ihm vorwerfen kann und woraus sie ein Drama stricken kann. Das kommt mindestens einmal die Woche vor. Er macht das jetzt schon fast ein Dreivierteljahr mit, ich hab ihm schon gesagt, dass jeder andere Mann diese Frau längst aus seinem Leben gekickt hätte.
Aber mit dir hat ja noch nie einer deswegen Schluss gemacht, also wird das bei dir noch akzeptabel sein.
Die Gründe für deine Dramen, die du im ersten Brief aufgelistet hast, treffen wahrscheinlich alle zusammen zu - warum sollte nur einer zutreffen? Für jede unserer Verhaltensweisen gibt es in der Regel mehr als nur ein Motiv.
Deine Hauptgründe sind wahrscheinlich Eifersucht (sprich: Geltungsdrang vermischt mit Verlustangst) und die Nummer 3: "Vielleicht teste ich den Mann ganz unterbewusst, will sagen, ich schaue, ob er mich versteht, wenn ich es brauche, hat er an mir, meinem Geist, meinem Ich ueberhaupt Interesse... teste ich, ob es sich ueberhaupt lohnt, mit diesem Mann zu sein?"
Dieser Punkt erhellt, dass so ein Drama auch sein Gutes haben kann (zumindest für dich), nämlich herauszufinden, ob dein Freund so viel Liebe, Toleranz, Geduld, Nachsicht und Einfühlungsvermögen aufbringen kann, wie du das tatsächlich von einem Partner brauchst. Es mag den einen oder andern abschrecken, aber trennt sozusagen die Spreu vom Weizen. (Du nennst es sehr richtig "Selbstschutz".)
Sprich, damit dein Herz sich einem Mann öffnen kann, braucht er zwei Eigenschaften: 1) eine Art väterliche Liebe zu dir (mit Geduld, Toleranz usw.), 2) du bist für ihn die Prinzessin: die Schönste, Tollste, Einzige, sprich, du beanspruchst Exklusivität. Verstößt er dagegen, kriegst du Panik, weil du deine ganze Kindheit lang ein anderes Muster gelernt hast. Bei Frauen, die du kennst, kommt die Panik nicht oder kaum auf (vielleicht setzt dein Unterbewusstsein sie mit der Mutter gleich, von der du nichts "zu befürchten" hattest?). Ein Lösungsansatz wäre also darin zu suchen, dass du diese Frauen kennenlernst. Zum Beispiel wenn dein Freund auf einer Party eine andere anschmachtet, solltest du einen Anlass finden, dich mit ihr zu unterhalten (die meisten Frauen freuen sich, wenn sie nicht nur von Männern angequatscht werden). Im Beispiel mit der Exfrau hättest du deinen entsprechenden Freund bitten können, sie dir vorzustellen, und dann mal in einer zweisamen Minute oder einem Telefonat mit ihr reden, so nach dem Motto: "Ich hab da ein kleines Problem mit Eifersucht... muss ich mir da bei XY irgendwelche Gedanken machen?"
" Wenn aber doch mal so eine Situation war, dann kann ich nichts dagegen machen, weder mit Verstand noch mit Witzen gegen mich selber. Teilweise ist mir dann schon aufgefallen, dass ich das Gefuehl habe, dass ich meinen eigenen Gefuehlen nicht trauen kann. Ich weiss dann nie, wieweit ist das richtig, was ich sehe oder mir einbilde zu sehen..."
Eine Hilfstechnik wäre: sich der Situation entziehen - z.B. aufs Klo gehen, tief durchatmen, Dampf ablassen (eine Bekannte von mir macht dann Liegestütz!) und dann versuchen, sozusagen aus seinem Kopf herauszutreten und sich von oben anzuschauen.
"Da ich nun offensichtlich diese andauernde Bestaetigung von einem Mann brauche, und nicht damit umgehen kann, wenn ich sie nicht habe bzw das Gefuehl habe, die Kontrolle ueber "meinen Mann" zu verlieren, wuesste ich gerne, was ich machen kann."
Schwierig, da etwas zu raten. In diesem Punkt kommt´s extrem auf deinen Partner an. Ein Mann, der viel Bestätigung von anderen Frauen braucht, ist definitiv der Falsche für dich. Außerdem wäre zu hoffen, dass du mit den Jahren an Reife und Selbstwertgefühl gewinnst und allmählich nicht mehr so viel Bestätigung von außen brauchst.
Bei manchen hilft auch die "Konfrontations-Therapie": sprich, die Kontrolle bewusst aus der Hand zu geben, also solche Situationen zu suchen und zu inszenieren. Muss aber in kleinen verdaulichen Häppchen stattfinden, sonst geht´s nach hinten los.
Liebe Grüße
Beatrice
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