Ich bin emotionell und erinnere mich an viele romantische Dinge, er garnicht. Liebt er mich nicht?
Hallo Beatrice,
Mit dem Kind ist er aber ganz lieb.
Die Beziehung zu seinen Eltern ist sehr schwierig, er ist nie akzeptiert worden und nie ermuntert worden, er selbst zu sein, bekam immer nur Liebe, wenn er pariert hat, sonst wurde Sprechverbot verhängt etc.
Ich bin das Gegenteil, bin gerne sentimental, lasse mich gerne rühren, ud wünsche mir einen Partner, dem gegenüber ich auch Gefühle zeigen kann, ohne ausgelacht zu werden, wie es bei uns oft der Fall ist.
Wenn wir Differenzen haben, endet es eigentlich immer im Streit - ich möchte Lösungen finden, aber er fühlt sich schon dadurch, dass ich ein Problem sehe angegriffen, und blockt mich ab indem er alles als mein Problem sieht.
Jetzt meine Frage: Sind solche Wesensunterschiede lösbare oder ewige Konflikte???
Was kann man machen (Therapie macht er auf keinen Fall, er gedenkt nicht, irgendeiner wildfremden Person was von sich zu erzählen, sagt er)?
Vielen Dank schon mal!
Cordelia
Liebe Cordelia,
"Sind solche Wesensunterschiede lösbare oder ewige Konflikte???" Diese Wesensunterschiede sind normal und müssen keineswegs Konflikte erzeugen, wenn man etwas übt, was in jeder guten Beziehung unabdingbar ist: Akzeptanz.
Unabhängig von irgendwelchen Kindheits-Traumata ist das, was du über deinen Freund schreibst, eigentlich ziemlich typisch für Männer. Kaum ein Mann breitet gern seine Gefühle aus, kaum ein Mann wird gern ständig daran erinnert, was er am Anfang der Beziehung gemacht hat (und jetzt nicht mehr), für kaum einen Mann sind "romantische Erinnerungen" wichtig. Männer ticken einfach anders als wir Frauen. Und außerdem klingt für sie ein häufiges "am Anfang hast du dies und jenes gemacht" und "weißt du noch, wie du..." wie ein nie enden wollender Vorwurf. Also: Wenn du dir deine eigene Beziehung versauen willst, dann mach ruhig weiter so.
Ferner vermute ich, dass auch deine Art, Probleme anzusprechen, für ihn wie ein Vorwurf klingt. Oder irgendwie bedrohlich, weil er weiß, dass du dann irgendwas von ihm erwartest, aber er weiß nicht, was er genau tun soll oder wie er´s hinkriegen soll. Die meisten Männer kommen besser damit klar, wenn du, statt ihn in eine Problemdiskussion zu verwickeln, KURZ, PRÄGNANT UND DEUTLICH sagst, was du möchtest. Das heißt: Versuch nicht, ihn dazu zu bringen, mit dir eine Lösung zu finden, sondern überlege du dir eine Lösung und bitte ihn einfach darum. z.B. "Ich möchte nicht, dass du nach dem Sex irgendwelche Scherze machst. Sag dann lieber was Nettes oder wenn das nicht geht, dann sei lieber still und kuschle einfach ein bisschen mit mir."
Eine fantastische Anleitung dazu gibt´s in einem Buch von John Gray: "Männer sind anders. Frauen auch."
Bitte lies dazu auch die Briefe:
Übrigens: Warum sollte er Gefühle zeigen, wenn du das für euch beide übernimmst? Ich kann mir vorstellen, dass er sich von deiner starken Emotionalität oftmals überrollt fühlt. (Frag ihn mal!) Oft ist es so, dass, wenn der Emotionelle sich zurücknimmt, der andere überhaupt mal Gelegenheit hat, ein paar zarte Ansätze seiner eigenen Gefühlswelt zu entwickeln und zuzulassen.
Liebe Grüße
Beatrice
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