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Liebes Fragen : Beziehungsprobleme

Hat sie einen Beziehungs-Burnout? Sie hat sich jahrelang total für mich und meine Kinder verausgabt

Ludger, 48

Liebe Beatrice!

Vor 7 Jahren lernte ich meine Frau Magda kennen, wegen der ich mich von meiner zweiten Ehefrau scheiden ließ. Magda war auch verheiratet und ließ sich somit wegen mir scheiden.
Sie brachte einen Jungen mit in die Ehe, ich hatte 2 jugendliche Kinder aus erster Ehe im Haushalt, die Mutter verließ mich damals, wegen einem anderen Mann, und aus der 2. Ehe existiert noch ein drittes Kind, für welches ich Unterhalt zahle und es regelmässig bei uns zu Hause hatte.
In der 2. Ehe kaufte ich mir ein Haus, welches, was sich später herausstellte, viel zu teuer war. Magda trat durch die komplizierte Lage, die damals bei unserer Scheidung durch das Haus entstand, als Bürge für dieses Haus ein und zahlt somit Monat für Monat mein Haus (was ich immer als das unsere sehe) eine hohe Rate mit ab. Sie kümmerte sich liebevoll um alle meine Kinder, von denen die 2 Großen mittlerweile aus dem Haus sind, und wird von ihnen verehrt und geliebt. Auch der Kleine, der immer mal bei uns zu Besuch ist, wird liebevoll umhegt. Unsere Beziehung war täglich von Liebe und Zärtlichkeit durchzogen. Wir arbeiten im selben Betrieb, allerdings in Schichten, und unsere Kollegen raunten bei jedem Kuss, der uns bei der Begegnung auf Arbeit gelang. Geheiratet haben wir in Amerika, was mein Traum schon immer war und es war auch für sie traumhaft.

Zu Hause hat sie täglich wie eine Besessene im Garten gearbeitet, gekocht, die Kinder versorgt, mich geliebt und mein Hobby, was ich 2mal die Woche ausführe (Kraftsport), geduldet, ohne je zu murren. Ihr Sohn ist extrem verwöhnt und sehr materiell eingestellt, sodaß ich ständig Reibungspunkte mit ihm hatte. Dies tat ihr sehr weh, aber ich habe es oft ihretwegen zu Reibereien kommen lassen, als er sich seiner Mutter gegenüber arg im Ton vergriff.

Dazu haben wir an der Ostsee ein Häuschen, welches ich von meinem Großvater erbte. Es war immer unser Urlaubsdomizil, fraß uns jedoch (das hab ich jetzt erkannt) völlig auf. Wenn sie mal so einen Tag hatte, wo ihr das alles bewusst war, sagte sie nur z.B..."Scheiß haus, man geht nur arbeiten für diese Hütte! Ich war dann beleidigt, da ich der Meinung war, Ihr einen Urlaubsplatz zu bieten, den nicht jeder hat. Wir fuhren in dieser Zeit 3 Mal nach Amerika und es war immer wunderschön, liebten uns bis vor 3 Wochen. An diesem tag hatte ich wieder eine Auseinandersetzung mit ihrem Sohn und der sagte bei seinen Großeltern, dass er bei ihnen wohnen wolle. Das war der Auslöser. Sie sagte mir, dass dies so nicht mehr weiter geht und eine Auszeit braucht von mir. Ich war wie vom Schlag getroffen und versuchte mit ihr zu reden, aber es wurde dann nur ein gegenseitiges Beschuldigen, so dass ich mich in mich verkroch.
Ich hab am nächsten tag mit dem Jungen geredet, mich entschuldigt und ihn in den Arm genommen. Darüber ist er sehr froh gewesen und seitdem kommen wir friedlich miteinander aus. Ich nehme mich zurück, bei Frechheiten seinerseits und lasse seine Mami agieren. Ich schrieb ihr Briefe, bastelte kleine Aufmerksamkeiten, die ich im haus verteilte, aber sie ist so verletzt, dass sie auf ihre Auszeit besteht. Im Moment könne sie einfach nicht anders, erst wenn eine räumliche Trennung vollzogen würde, könne sie sich über unsere Ehe ins "Klare" kommen. Mittlerweile reden wir, zwar selten, aber sehr fair und rücksichtsvoll miteinander und sie hat sich ein eigenes Konto angelegt und ein extra Zimmer im haus genommen. Ich bin natürlich eifersüchtig und vermute einen anderen Mann hinter dieser Aktion, was sie aber vehement abstreitet - ich muss es so nehmen. Eine Scheidung will sie auf keinen Fall, nur erst einmal Abstand, um sich ihrer Gefühle bewusst zu werden. Ich bin mental nun auch soweit, sie diesen Weg gehen zu lassen, denn so, in einem Haus, wo man sich immer sieht, kann man nicht abschalten. Für mich, der jetzt erst ihre jahrelange Situation begriffen hat (mir ging es ja immer gut, tolle Frau, Hobby, mal ein bisschen am Haus was tun und eben diese unendliche Liebe), ist diese Reaktion eine Art Burnout, der sich in den Jahren gestaut hat und nun zum Ausbruch kommt. Ich muss mein Grundstück an der See verkaufen, sonst kann ich das Haus nicht halten. Das Haus selbst kann ich nur unter Wert verkaufen und wir würden, jeder in einer Wohnung, mit Miete, zusätzlich noch jeder ca. 20000 Euro als Restschuld an die Bank zahlen müssen. Seit ich diesen Entschluss gefasst habe, das Grundstück zu veräußern, sie dann in eine Wohnung ziehen zu lassen um sich erst einmal zu finden, ist etwas Spannung von ihr gewichen und es kam schon mal son lockerer Spruch, wie... "wenn du die Agave im Garten im Winter reinholst, ruf mich an, dann können wir uns ne Runde beschimpfen" (es gab jedes Jahr Zickereien wegen dem Stachelding, über die wir dann hinterher lachten). Meine Eifersucht war dann noch geschürt, als sie auf einmal ein Handy hatte, was sie auch noch abstritt, zu Beginn. Sie brauche dies, um mal ohne mich mit ner Freundin zu reden, gerade jetzt in dieser Situation, war die Antwort. Zu all den Belastungen kam noch der traurige Fall, dass ihr Onkel (44) plötzlich starb, mit dem sie ihre Kindheit in einem Dorf verbrachte. Am Grab sei ihr so viel durch den Kopf gegangen, sagte sie, aber jetzt erst hat sie begriffen, dass er wirklich tot sei.
So, liebe Beatrice, das ist im groben die Geschichte meiner Krise. Ich hoffe, Sie finden sich heraus und können mir einen Rrat geben, wie ich mich verhalten muss? Soll ich einfach ihr die nötige Ruhe geben, ohne ständige Liebesbeweise? Kann man über eine kürzere oder längere Distanz vielleicht wirklich wieder Gefühle für den Partner entwickeln, die im Moment nicht mehr da sind? Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich sie längere zeit nicht sehe und treffe sie, ohne gleich wieder mit der Tür ins Haus zu fallen? Kann so eine Liebe überhaupt wieder wachsen? Wie bekomme ich meine Angst in den Griff, zwar noch eine Frau zu haben, aber sie an jemand anders zu verlieren???
Für einen Ratschlag wäre ich Ihnen sehr verbunden.
Freundliche Grüße,
Ludger





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Lieber Ludger,

Sie fragten:
"Soll ich einfach ihr die nötige Ruhe geben, ohne ständige Liebesbeweise?" Ja, unbedingt.

"Kann man über eine kürzere oder längere Distanz vielleicht wirklich wieder Gefühle für den Partner entwickeln, die im Moment nicht mehr da sind?"
Ja - das ist sogar meistens der einzige Weg! Vor allem für Ihre Frau, die lange Jahre viel zu stark eingebunden und zu nah dran war.

"Kann so eine Liebe überhaupt wieder wachsen?"
Ja. Ihre Basis ist ja gut.

"Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich sie längere zeit nicht sehe und treffe sie, ohne gleich wieder mit der tür ins haus zu fallen?"
Freundlich und liebevoll, jedoch ohne sie zu bedrängen. Das heißt: auch keine einzige Frage, wann sie zurückkommt, wofür sie sich entscheiden wird, ob sie einen anderen hat usw.
Sie können sie wissen lassen, dass Sie sie lieben und vermissen - aber ohne eine Antwort zu erwarten. Im Gegenteil müssen Sie ihr sagen, dass Sie ihr alle Zeit der Welt lassen - und Sie müssen es auch wirklich so meinen und durchziehen.

"Wie bekomme ich meine Angst in den Griff, zwar noch eine Frau zu haben, aber sie an jemand anders zu verlieren???"
Wo kommen bloß diese absurden Gedanken her? Woher diese Eifersucht? Die haben doch mit Ihrer jetzigen Frau wenig zu tun. Diese Frau hat Sie bis zur Selbstaufgabe geliebt - und da sollte sie jetzt weggehen wegen eines anderen? Wann sollte sie denn überhaupt Zeit gehabt haben, mit einem anderen anzubändeln? Diese Frau hat Ihnen und Ihrer Familie mehr gegeben, als jede andere Frau das getan hätte, und daher halte ich Ihre andere Annahme für richtig: sie hat einen Burnout, und zwar umfassend. Sie hat sich vor lauter Liebe total aufgeopfert und sich darüber ein Stück weit selbst verloren. Jetzt braucht sie Zeit und Raum für sich selbst, um sich selbst wiederzufinden, wieder Kraft zu schöpfen und zu entscheiden, wie sie ihr Leben weiterführen soll. Jedenfalls so wie bisher, das geht nicht. Da ginge diese liebe Frau kaputt.
Sie hat sich aufgerieben, aber offenbar nicht in gleichem Maße von Ihnen zurückbekommen.
Genau an diesem Punkt müssen Sie ansetzen. Sie müssen in vollem Umfange erkennen, was da gelaufen ist. Ich denke, zum Teil war es für Sie, Ludger, auch schon ziemlich selbstverständlich, dass Ihre Frau so viel in die Ehe reingibt - an Geld, Mühe, Zeit, Energie. Das ist nicht gut. Sie braucht das auch für sich selbst. Denken Sie intensiv drüber nach, und darüber, was Sie tun müssen, um das zu ändern (also dass Ihre Frau in Zukunft stark entlastet würde - auch finanziell!).
Und dann schreiben Sie ihr einen Brief, in dem Sie all Ihre Einsichten darlegen und Ihre Vorschläge, wie Sie beide das in Zukunft anders handhaben würden. Es ist superwichtig, dass Ihre Frau sich was gönnt und dass Sie, Ludger, sich auch mehr um ihr Wohlergehen kümmern und sie mehr verwöhnen. Sie hat es wahrhaftig verdient.
Herzlichst
Beatrice

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