Mein Geliebter ist weder verheiratet noch hat er Kinder noch liebt er seine Partnerin, warum trennt er sich nicht für mich?
Hallo Beatrice,
Ich bin noch verheiratet, jedoch vor 3 Monaten aus der ehelichen Wohnung ausgezogen.
Seitdem ist unsere Beziehung intensiver geworden. Wir sehen uns mind. 1x pro Woche, mailen und telefonieren täglich, gehen ab und zu joggen oder in die Sauna. Ich kenne bereits seine Mutter und seine Schwester, sie wissen jedoch nichts von unserem Verhältnis. Sie mögen mich. Seine jetzige Partnerin nicht.
Er gehört zu jenen, die es allen recht machen wollen, arbeitet sehr viel
und ich weiß, dass er wegen unserer Sache ein sehr schlechtes Gewissen hat.
In Bezug auf uns ist er sehr schwankend. Er liebt mich. Daran besteht
kein Zweifel. Aber so eine Trennung ist trotz allem ein enormer Schritt.
Seine jetzige Partnerin lehnt er auch nicht emotional ab. Mal deutet er
an, er würde gerne mit mir Kinder haben und alt werden, ein anderes Mal
betont er wieder, dass er sich nicht trennen wird.
Wenn sie ihn verplant, hat er für mich definitiv keine Zeit.
Ich weiß, dass sie nicht oft miteinander schlafen und bin mir sicher,
dass er vor unserer Beziehung bei ihr Erektionsprobleme hatte. Mit uns
passt es super. Sowohl sexuell als auch, was unsere Hobbies, Herkunft,
Humor, ... angeht.
Jetzt ist er mit ihr 2 Wochen im Urlaub, simst mir jedoch fast täglich.
Vor seinem Urlaub sagte er in einem Nebensatz, dass er sich vorstellen
könnte, auch wieder Sex mit ihr zu haben, wenn es sich so ergäbe. Das
hat mir sehr weh getan.
Ich bin jetzt sehr traurig - und eifersüchtig. Sonst kann ich das Ganze
ganz locker nehmen, jetzt merke ich deutlich, dass ich mir eine richtige
Beziehung mit ihm wünsche.
Ich habe nie Ansprüche an ihn gestellt, aber dennoch gesagt, dass ich
nach einer Ruhepause wieder eine normale Beziehung, vorzugsweise mit
ihm, haben möchte. Vielleicht war das schon Druck für ihn.
Ich glaube auch, dass mein Auszug ihn indirekt unter Druck gesetzt hat.
Ich möchte ihm gerne alle Zeit der Welt für seine Entscheidung lassen,
aber ich merke, dass ich das emotional nicht ewig durchstehen werde.
Und ich bin so unsicher. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich von
mir wieder zurückzieht, aber auszuschließen ist es natürlich nicht.
Könnte es sein, dass er mich als Daueraffäre installieren wird, obwohl
er das eigentlich gar nicht wollte, nur um sich nicht entscheiden zu
müssen? Wagt er vielleicht doch den Schritt? Wie schätzt du die
Situation aus der Ferne ein?
Ich habe mir eine Frist bis nach dem Jahreswechsel gesetzt. Aber was mache ich dann? Frage ich ihn mal klipp und klar, wie es weitergehen soll? Oder ist es besser, mich dann einfach zurückzuziehen? Das ist mir natürlich lieber, weil stressärmer. Oder ist die Frist an sich zu kurz?
Vielen Dank für deinen Rat,
Anna
Liebe Anna,
"Ich habe nie Ansprüche an ihn gestellt, aber dennoch gesagt, dass ich nach einer Ruhepause wieder eine normale Beziehung, vorzugsweise mit ihm, haben möchte. Vielleicht war das schon Druck für ihn.
Ich glaube auch, dass mein Auszug ihn indirekt unter Druck gesetzt hat. Ich möchte ihm gerne alle Zeit der Welt für seine Entscheidung lassen, aber ich merke, dass ich das emotional nicht ewig durchstehen werde."
Es ist vollkommen in Ordnung, dass du nach einem Jahr Ansprüche stellst
und klar sagst, was du willst. Es ist sogar geboten, denn eine
Beziehung, wo du total viel Rücksicht auf deinen Partner nimmst, aber
nicht auf deine eigenen Bedürfnisse, ist eine schiefe, ungleiche
Beziehung, in der du letztlich den Kürzeren ziehst.
Du brauchst nicht sooo viel Rücksicht nehmen. Wenn er sich durch deine
Wünsche und deinen Auszug bereits unter Druck gesetzt fühlt, dann liebt
er dich nicht wirklich.
"Könnte es sein, dass er mich als Daueraffaire installieren wird, obwohl
er das eigentlich gar nicht wollte, nur um sich nicht entscheiden zu
müssen?"
Ja, ich denke, es ist so.
"Wagt er vielleicht doch den Schritt? Wie schätzt du die Situation aus
der Ferne ein?"
Er ist weder verheiratet, noch hat er Kinder. Mir ist nicht klar, warum
er öfter betont, dass er sich nicht trennen wird, denn er hat nicht so
viel zu verlieren, sondern eher zu gewinnen. Mag sein, dass er es allen
recht machen will und ihn eben auch viele Jahre mit der Partnerin
verbinden, aber vielleicht scheut er die Verantwortung? Nämlich die, vor
seiner langjährigen Partnerin der Böse zu sein, der sie im Stich lässt,
und die, für deine Scheidung "verantwortlich" zu sein und damit auch für
dich und das Gelingen einer richtigen, dauerhaften Beziehung mit dir?
Ich kann dir nur raten: Rede ganz offen mit ihm hierüber. Finde heraus,
welche Ängste und Befürchtungen er in Bezug auf seine Trennung und in
Bezug auf eine Beziehung mit dir hat oder was ihm das unwohl macht, und
versuche, ihm diese Ängste ein Stück weit zu nehmen - ABER: Steh auch
offen zu deinen eigenen Wünschen und Ängsten. Du musst dir selbst
unbedingt treu bleiben. Es bringt nichts, wenn du dich anpasst, nur um
dann ewig die Schattenfrau zu bleiben. Die Frist ist auch nicht zu kurz.
Wenn ihr beide evtl noch Familie gründen wollt, hast du ja nicht mehr
alle Zeit der Welt.
Von daher: Dein Ultimatum ist gut, Klartext auch - zurückziehen kannst
du dich nachher dann auch noch.
Liebe Grüße
Beatrice
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